Zivile Sicherheit 2.0

Nicht erst im Notfall sicher vernetzt

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© Olaf Wendelken — 

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Marktreife2011

11. März 2011 — 

Um in Notfallsituationen schnell und richtig reagieren zu können, müssen alle Beteiligten optimal vernetzt und auf unterschiedlichste Krisenszenarien vorbereitet sein. Wie die Informationstechnologien sie dabei bestmöglich unterstützen können, haben Systementwickler und Anwender im Projekt „VeRSiert“ grundlegend analysiert und in der Praxis erprobt. Die IT-Unterstützung reicht dabei von einer Informations- und Kooperationsplattform über umfangreiche Krisensimulationen bis zur Einbindung von Veranstaltungsteilnehmern und ehrenamtlichen Helfern via Smartphone-App.

Wenn auf Straßen und Plätzen einer Stadt fröhlich gefeiert wird, die Fans zum wöchentlichen Spiel ihres Vereins vom Bahnhof aus durch die Innenstädte zu den Stadien strömen oder Tausende von Musikfreunden zum Open-Air-Festival erwartet werden, ist es für sie immer wieder aufs Neue eine Herausforderung: Veranstalter, Verkehrsgesellschaften, Behörden, Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte müssen nicht nur für einen reibungslosen Ablauf und für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen, sondern auch auf mögliche Notfallsituationen bestmöglich vorbereitet sein.

Wie die Möglichkeiten der Informationstechnologien sie dabei umfassend unterstützen können, haben Sicherheitsexperten und IT-Entwickler gemeinsam mit Behörden, Feuerwehren und Verkehrsunternehmen in Köln analysiert und getestet. Ziel des vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ als Teil der High-Tech-Strategie der Bundesregierung geförderten Projekts „VeRSiert“ war, sowohl eine bessere Vernetzung der beteiligten Organisationen als auch der Einsatz von Simulationen zur Vorbereitung auf Krisenszenarien sowie neue Formen der Einbindung von Veranstaltungsteilnehmern und ehrenamtlichen Helfern in das Krisenmanagement zu konzipieren. Bei realen Großveranstaltungen wie „Kölner Lichter“ oder Bundesligaspielen konnten Nützlichkeit und Benutzbarkeit der einzelnen Elemente für die IT-Unterstützung bereits während des Projekts erprobt werden.

Die Forscher am Fraunhofer IAO und dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart erarbeiteten im Rahmen des Projekts zum Beispiel ein Kooperationsportal für den umfassenden Informationsaustausch zwischen den beteiligten Organisationen. Ihr Konzept orientiert sich dabei eng an den bereits eingespielten Prozessen der Zusammenarbeit in der Vorbereitung und Durchführung von Großveranstaltungen. Das Kooperationsportal wurde als webbasierte Anwendung umgesetzt, um einen einfachen Zugang aller Beteiligten zu gewährleisten. Außerdem ist es damit möglich, das Informationsnetzwerk problemlos an den zuständigen Kreis der Akteure für den jeweiligen Veranstaltungsort und die jeweilige Veranstaltungsart anzupassen. Über das Portal sind für alle Beteiligten aktuelle Telefonlisten oder Informationen zu Zuständigkeiten ebenso direkt erreichbar wie wichtige Arbeitsmittel, etwa Dokumente, Einsatzpläne oder Kartenmaterial.

Damit die Zusammenarbeit über ein solches System auch in kritischen Situationen reibungslos funktioniert, sollte das Kooperationsportal bereits im „Normalbetrieb“ intensiv genutzt worden sein. Das System wurde daher nicht auf spezielle Einsatzszenarien beschränkt, sondern so konzipiert, dass es von den einzelnen Organisationen auch in der laufenden internen Zusammenarbeit sinnvoll verwendet werden kann. Kommt es bei einer Veranstaltung dann zu einer kritischen Situation, sind alle Beteiligten mit den Elementen des Systems vertraut. Und nur denn kann die IT-Unterstützung ihr Ziel erreichen, die Information und Kooperation zwischen den beteiligten Akteuren einfacher, zielgerichteter und schneller zu gestalten.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgten die Projektpartner auch bei der Entwicklung neuer Strategien und technischer Lösungen zum Kontakt zwischen Krisenmanagement und Veranstaltungsteilnehmern sowie ehrenamtlichen Helfern. Sie entwickelten und erprobten Mobile Dienste für den Einsatz bei Großveranstaltungen, die im Notfall per Handy die Teilnehmer vor Gefahren warnen oder mit denen ehrenamtliche Helfer Fotos vom augenblicklichen Geschehen vor Ort an die Einsatzzentrale senden können. Zentraler Aspekt war auch hierbei, dass solche Anwendungen nur dann sinnvoll einsetzbar sind, wenn sie die Teilnehmer nicht extra und nur für einen eventuellen Notfall auf ihren Mobilgeräten installieren müssen. Daher entwickelten die Projektpartner Mobile Dienste, die Veranstaltungsteilnehmern auch bei einem reibungslosen Ablauf einen Mehrwert bieten. Möglich ist zum Beispiel, einen Friend-Finder oder eine Chat-Plattform als Smartphone-App anzubieten. Gerade auf einem weitläufigen Veranstaltungsareal oder bei mehrtägigen Festivals kann so der Zusammenhalt in einer Gruppe von Teilnehmern erleichtert werden. Über Upload-Funktionen lassen sich auch Services für Mobile Communities anbieten, mit denen Teilnehmer Fotos und Kommentare in einem gemeinsamen Event-Tagebuch sammeln. Speziell für die An- und Abreise zu Veranstaltungen bieten außerdem über Twitter, Blogs oder Apps vom Veranstalter und den Verkehrsgesellschaften angebotene Info-Dienste mit Fahrplanänderungen oder Umleitungsempfehlungen einen Mehrwert.

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