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Wissensnetz statt Datendschungel

E-Government-Framework nutzt vorhandene Datenpools für aufgabenbezogene und zielgruppengerechte Mehrwertdienste

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09. Juli 2009 — 

Karlsruhe, Fraunhofer IITB – Eine Tagung der NATO-Spitze, eine Großübung zur Simulation eines Störfalls im Kernkraftwerk, das dauerhafte Monitoring von Pegelständen und Vorsorgemaßnahmen entlang eines hochwassergefährdeten Flusslaufes oder aktuelle Informationen für Wissenschaftler, Behörden und Bürger über die Luft- und Wasserqualität – behördliche Aufgabenstellungen wie diese müssen durch IT unterstützt werden. Dabei sind allerdings auch immer wieder die gleichen Schwierigkeiten zu überwinden. So muss sichergestellt werden, dass alle benötigten Daten aus den unterschiedlichsten Quellen zur richtigen Zeit und in nutzbarer Form überall dort zur Verfügung stehen, wo sie gebraucht werden. Das Problem dabei ist, dass die verschiedenen Datenbanken und anderen Informationsquellen von unterschiedlichen Behörden und Institutionen betrieben und gepflegt werden. Kurz: IT-Systeme, Datenstrukturen und die Art der Aufbereitung sind teils sehr unterschiedlich. Bei internationalen Zusammenkünften von ranghohen Regierungsvertretern zum Beispiel wird die unmittelbare Absicherung des Tagungsortes von einer eigens dafür eingerichteten Einsatzzentrale vor Ort übernommen. Um für alle denkbaren Ernstfälle, etwa eine Panik oder einen terroristischen Anschlag mit einer großen Zahl an Opfern ausreichend vorbereitet zu sein, müssen auch Polizeistationen, Feuerwehren und Rettungskräfte sowie Behörden und Krankenhäuser der umliegenden Städte und Gemeinden mit eingebunden werden. Die Lösung solcher Aufgabenstellungen ermöglicht eine am Fraunhofer IITB entwickelte universell einsetzbare Entwicklungs- und Integrationsplattform. Unter anderem wurde sie zur Begleitung des NATO-Gipfels in Baden-Württemberg eingesetzt. Das Framework umfasst praxiserprobte Vorgehensweisen, Werkzeuge und modular aufgebaute Softwarekomponenten. Weil über Schnittstellenbausteine alle gängigen Datenbanksysteme und Datenformate als Quelldaten verwendet werden können, lässt sich in kurzer Zeit ein für die jeweilige Aufgabe effizient arbeitendes Informationsnetzwerk zusammenstellen. Für die Verknüpfung und Auswertung der Daten stehen zusätzlich zum normalen Funktionsumfang eines Content Management Systems auch semantische Technologien und Methoden zur Verfügung. Zudem können Karten aus Geoinformationssystemen eingebunden werden, um die Situation vor Ort besser darstellen zu können. Die Nutzung des damit erstellten Informationssystems erfolgt über web-basierte Dienste, so dass ein Zugriff ortsungebunden über jeden Internet-PC erfolgen kann. Die aktuelle Situation bei einem Großeinsatz wird sowohl in der Einsatzzentrale als auch bei allen anderen beteiligten Dienststellen im Gesamtüberblick wie in verschiedenen Detailstufen auf interaktiven Karten und Plänen angezeigt. Ohne Zeitverlust können alle Beteiligten auf notwendige Informationen zugreifen, um das weitere Vorgehen zu koordinieren.

Informationsplattformen, die mit der Systemlösung vom Fraunhofer IITB arbeiten, werden auch zur Vorbereitung auf mögliche Unglücksszenarien im Rahmen der Kernreaktor-Fernüberwachung (KFÜ) in Baden-Württemberg und Rheinland- Pfalz eingesetzt. Ziel dabei ist es, nicht allein Daten, die aus heterogenen Quellen stammen, mit möglichst geringem finanziellen und zeitlichen Aufwand schlicht zu verknüpfen. Vielmehr sollen sie so aufbereitet werden, dass die Daten automatisch auf die Bedarfe der jeweiligen Einsatzkräfte abgestimmt sind, um sie genau mit denjenigen Informationen zu versorgen, die aktuell wichtig sind. Zentrale Datenbasis dabei ist das bereits existierende KFÜ-System zur Überwachung der atomtechnischen Anlagen sowie die Ergebnisse der Messstationen der betreiberunabhängigen Immissionsüberwachung. Dort werden die wichtigsten Betriebsparameter und Strahlungswerte innerhalb der Anlagen ebenso erfasst wie deren Emissionen, die Immissionen in die Umgebung und die für die atmosphärische Ausbreitung relevanten meteorologischen Kenngrößen. Diese nur für einen kleinen Nutzerkreis zugänglichen Informationssysteme wurden nun um ein Internet-basiertes Portal zur Kernreaktor Fernüberwachung (KFÜ-Portal) erweitert. Die Plattform kann zum einen dazu genutzt werden, über ein detailliertes Rollenkonzept den Kraftwerksbetreibern und den Kontrollbehörden zusätzliche Auswertungsmöglichkeiten und Fachinformationen zur Verfügung zu stellen und damit Routineabläufe wie die kontinuierliche Prüfung auf Einhaltung der Schwellenwerte oder die abgestufte Auslösung von Einzelalarmen zu optimieren. Zum anderen werden über das KFÜ-Portal die wichtigsten Informationen auch für neue Nutzergruppen aufbereitet und als Internet-Dienst bereit gestellt. Vor allem im Bereich des Notfallschutzes sichert das Rollenmodell in Verbindung mit workflow-basierten Anwendungen die rechtzeitige und umfassende Information aller bei einem Störfall einzubindenden Stellen. Für die Fachberater für Strahlenschutz, die Regierungspräsidien und den Krisenstab beim Umweltministerium werden die Ergebnisse von Ausbreitungsprognosen oder die Werte mobiler Messungen am Boden und in der Luft in übersichtlichen Kartendarstellungen visualisiert. Durch die Einbindung zusätzlicher externer Informationsquellen kann über das KFÜ-Portal bei einem Notfall zum Beispiel auch eine Übersicht der Ausgabestellen und Vorräte an Jodtabletten in dem betroffenen Gebiet angezeigt werden. Zudem werden die Einsatzkräfte automatisch informiert, damit sie das betroffene Terrain absperren oder auf notfalls erforderliche Evakuierungsmaßnahmen vorbereitet sind. Da die Komponenten und Anwendungen als einzelne, modulare Internet- Dienste angelegt werden, eignen sich die mit dem Framework des Fraunhofer IITB aufgebauten Informationssysteme auch für die wirtschaftliche Entwicklung von Lösungen für vielfältige Problemstellungen des E-Government. So wurden damit bereits mehrere Umweltinformationssysteme auf Landesebene umgesetzt, die Internetdienste für alle Behördenebenen bis hin zum lokalen Bürgerservice abdecken. Im Gewässerschutz ermöglichen Systemmodule sowohl die automatische Verknüpfung aller Messdaten, die von den lokalen und regionalen Ämtern erhoben werden und deren Aufbereitung für die Forschung oder den Hochwasserschutz als auch den Zugriff auf die Informationen des Gesamtsystems von den untergeordneten Verwaltungseinheiten aus. Die dabei für einzelne Aufgaben eingesetzten Softwaremodule stehen als internet-basierte Dienste zur Verfügung und können daher vielfach genutzt werden. So können sich Gemeinden entlang eines Flusslaufes gezielt die Pegelstände an den Messpunkten oberhalb ihres Standortes in einer übersichtlichen Grafik anzeigen lassen oder die aktuelle Wassertemperatur und -qualität der Badeseen in der Region auf der Gemeinde-Homepage veröffentlichen.

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