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Wissen erspielen

Game Based Learning macht aus Spaß am Spiel Freude am Lernen

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11. Dezember 2009 — 

„Spielen am Arbeitsplatz ist tabu!“ Eine Vorschrift wie diese ist für die Mitarbeiter in Unternehmen selbstverständlich. Künftig wird sie für eine Reihe von Arbeitern und Angestellten allerdings nur noch eingeschränkt gelten. Die E-Learning Experten des Fraunhofer IGD-R entwickeln neuartige Lernwelten für die Aus- und Weiterbildung, in denen gespielt werden kann – auch während der Arbeit. Die dahinter stehenden Lernkonzepte verbinden zwei bisher voneinander getrennte Welten – die bis dato ausschließlich der Freizeit vorbehaltene Lust am Spielen mit dem Bildungsauftrag des Erlernens beruflicher Qualifikationen. Denn abends oder am Wochenende schlüpft jeder dritte Deutsche zumindest gelegentlich in die Rolle eines virtuellen Helden oder versucht unterschiedlichste Spielaufgaben am Computer zu meistern. Von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 30 Jahren spielen sogar mehr als zwei Drittel am PC: Spielen am Computer macht offensichtlich Spaß. Eben dies nutzt Game Based Learning als Motivation, um sich intensiv mit Lernstoff zu beschäftigen. So können interessierte Mitarbeiter künftig spielerisch zum Beispiel ihre Soft Skills trainieren. Dazu wurden am Fraunhofer IGD-R verschiedene kleine Spiele mit einer Dauer von jeweils weniger als zehn Minuten konzipiert. Ein Beispiel: Der Spieler schlüpft in die Rolle des Kundenberaters einer virtuellen Firma. Von seinem Chef erhält er den Auftrag, Interessenten ein neues Produkt vorzustellen. Dazu muss eine Präsentation vorbereitet und schließlich vor einer Gruppe von Kunden ein Vortrag gehalten werden. Gespielt wird in der Ego-Perspektive. Dieser Blickwinkel ermöglicht es, dass der Spieler die Szenerie direkt durch die Augen seiner Spielfigur sieht und erlebt. Sinnvoll eingesetzt werden können die Spiele beispielsweise als Ergänzung von Präsenzseminaren. Gelernte Methoden und Verhaltensmuster können dann am Rechner gleich immer wieder eingeübt und so leichter dauerhaft in das reale Verhalten im Kundenkontakt oder in die Teamarbeit am Arbeitsplatz übernommen werden.

Mit Game Based Learning Konzepten lassen sich aber nicht nur Angestellte oder Freiberufler, sondern auch die Gruppe der rund vier Millionen Menschen in Deutschland unterstützen, die nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen können. Gefördert vom Bundesforschungsministerium entwickeln der Deutsche Volkshochschulverband, der Volkshochschulverband Mecklenburg- Vorpommern und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung ein Abenteuerspiel, das den funktionalen Analphabeten den Schriftspracherwerb erleichtern soll. Das Spiel entführt die Lernenden in eine virtuelle, mittelalterliche Welt, in der sie die unterschiedlichsten Situationen zu meistern haben – und zwar Situationen, wie sie ähnlich auch im realen, heutigen Alltag zu finden sind. Es müssen Formulare für einen Kreditvertrag ausgefüllt oder für eine Reise die richtigen Fahrkarten gelöst werden. Nach erfolgreichen Tests in Grundbildungskursen in Mecklenburg- Vorpommern wird das insgesamt etwa vier bis fünf Stunden Spieldauer umfassende Lernabenteuer derzeit fertiggestellt und bundesweit den Volkshochschulen zur Verfügung gestellt.

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