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Wie funktioniert Wissenschaffen?

Kolumne "Communiqué"

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Kolumne | Communiqué | Alexander Gerber

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11. Dezember 2009 — 

Wir müssen zeigen, wie Wissenschaft eigentlich geht“, sagt Prof. Wolfgang Heckl (s. Interview auf den Seiten 44-45) und legt damit den Finger in eine der tiefsten Wunden der  deutschen Wissenschaftskommunikation. Denn während es noch halbwegs gelingt, Forschungsergebnisse und wirtschaftliche Verwertungsmöglichkeiten wissenschaftlicher Erkenntnisse zu vermitteln, wird in Medien und PR noch viel zu selten der eigentliche Prozess des „Wissenschaffens“ deutlich. Sozusagen Wissenschaft als Kulturleistung. Und gleiches gilt auch für die Mechanismen eines Innovationsprozesses, die meist völlig im Dunkeln bleiben, weil Innovation medial auf Produkt-Feautures oder Funktionsweisen verengt wird. Selbstkritisch geben dies 80 Prozent aller befragten Wissenschaftskommunikatoren in der dieser Tage vorgestellten Trendstudie (wk-trends.de) zu.

Es ist dieses „Science in the Making“, wie es Prof. Heckl nennt, das wir in PR und Medien nur unzureichend schaffen zu vermitteln. Immer verweisen Kommunikationsforscher darauf, dass der Schlüssel zum Verständnis moderner „Wissenschaft“ darin liege, auch deren Abläufe und Arbeitsweisen zu verstehen – zu erfahren, wie bereichernd es sein kann, jahrelang auf die Lösung eines bestimmten Problems hinzuarbeiten, auch auf die Gefahr hin, dabei zum allgemein unverstandenen Fachmann unter Fachleuten zu werden. Noch einmal Heckl: „Der Prozess ist der Weg, und der Weg ist interessanter als das Reiseziel.“ Gehen wir also besser schon mal an den Start!

Die Notwendigkeit, neue Wege in der Kommunikation zu gehen, wird immer mehr Wissenschafts-Journalisten und -PR-Kollegen bewusst, was natürlich durchaus auch Verunsicherung schafft. So haben beispielsweise durch die Bank alle herkömmlichen Wissenschaftstitel zuletzt massiv an verkaufter Auflage eingebüßt – meist zwischen 20 und 40 Prozent in den letzten zehn Jahren, „Tomorrow“ in diesem Zeitraum sogar „finale“ 83 Prozent. Da hat sich das Flaggschiff „Bild der Wissenschaft“ mit einem Minus von „nur“ zehn Prozent geradezu bravourös geschlagen. Auf der anderen Seite kommt ein Blogportal wie scienceblogs.de inzwischen auf 300.000 Leser – das ist mehr als Bild der Wissenschaft, Spektrum der Wissenschaft und Technology Review zusammengenommen in verkaufter Printauflage. Was also geschieht hier?

Die Veränderungen gehen weit über die Frage hinaus, ob nun durch „Social Media“ eine Reduzierung der Wissenschaft auf 140 Zeichen drohe oder nicht. Was sich vielmehr abzeichnet – gerade auch durch die neuen interaktiven Medien und Formate – ist der von vielen seit langem geforderte, vertrauensbildende Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Und auch hier ist für viele Umdenken gefragt. Zuhören nämlich. Antworten geben. Noch dazu auf Augenhöhe! Die Chance liegt darin, neben einem „Public Understanding of Science“ auch zu einem „Scientist’s Understanding of the Public“ zu finden.

Und die Wissenschafts-PR? Der hatte ich in der erwähnten Trendstudie die Frage gestellt, ob sie künftig vielleicht mehr „verführen“ als „informieren“ müsse. Viele der 75 befragten, renommierten Delphi- Experten sagen, dass sie zumindest ernsthaft darüber nachdenken, ob sich nicht ihre Rolle in der Tat in diese Richtung wandelt.

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