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"WAX wird Kompatibilität herstellen"
Stephan Steglich leitet das Kompetenzzentrum Future Application and Media (FAME) am Fraunhofer FOKUS und ist am Institut verantwortlich für das Projekt WAX.
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Stephan Steglich leitet das Kompetenzzentrum Future Application and Media (FAME) am Fraunhofer FOKUS und ist am Institut verantwortlich für das Projekt WAX.
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Herr Steglich, wenn WAX „fertig“ ist: Welche Vorteile bringt das Projekt für den Anwender?
Das kommt darauf an, ob Sie das Projekt aus der Perspektive eines Konsumenten oder eines App-Anbieters betrachten. Als Konsument haben Sie heute das Problem, dass sie sich beispielsweise bei iTunes eine Anwendung für ihr iPhone kaufen. Möchten Sie später aber zu einem anderen Telefon wechseln, können Sie all ihre Apps in der Regel nicht weiter verwenden. Wenn wir das Projekt erfolgreich abschließen, loggen Sie sich in einigen Jahren in einen App-Store Ihrer Wahl ein und haben wie bisher alle Apps zur Verfügung. Nur, dass sie diese künftig nicht nur mit einem Gerät, also in der Regel dem Smartphone nutzen können, sondern auch auf allen anderen Apparaten, die mit dem Internet in Verbindung stehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie zuhause sind, unterwegs oder in einem Hotelzimmer, wo ein internetfähiges Fernsehgerät steht.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Nehmen wir das profane Beispiel einer App, die Pizzalieferdienste in der Nähe ihres Aufenthalts kennt. Natürlich ist es zunächst naheliegend, diese App von zuhause aus zu nutzen. Wenn Sie zum Beispiel mit der Konsole Video-Spiele machen und währenddessen kurz deren Browser aufrufen, um zu bestellen. Alternativ können Sie die App über Ihren internetfähigen Kühlschrank, wie er künftig üblich sein wird, benutzen. Sind sie unterwegs, zeigt ihnen die App je nach Standort ebenfalls entsprechende Services. Dabei kann die App aber nicht nur wie gewohnt über Ihr Smartphone arbeiten, sondern beispielsweise auch auf das Navigationsgerät im Auto aufgespielt werden. Ähnlich verhält es sich mit social media-Apps oder deutlich spezifischeren und teuren Dienstprogrammen.
Was bringt WAX den Anbietern?
Eine deutlich größere Verbreitung ihrer Angebote. Denn ihre Apps laufen nun auf unterschiedlichsten Geräten und sind beispielsweise nicht nur Kunden zugänglich, die sich ein teures Smartphone leisten können. Und sie lassen sich herstellerübergreifend einsetzen.
Wie schätzen Sie das wirtschaftliche Potenzial der Technologie ein?
Täglich profitieren mehr Menschen von Apps und Internet-Diensten. Die Zahlen von heruntergeladenen Apps steigen exponentiell, allein Apple verzeichnet jährlich Downloads in Milliardenhöhe. Bislang teilen sich einige wenige Unternehmen diesen Markt. Mit der Open Source Plattform, die wir im Projekt WAX bereitstellen werden, lassen sich web-basierte Dienste erarbeiten, die internationale Standards erfüllen und sich plattformübergreifend einsetzen lassen. Davon sollen kleine und mittelgroße Firmen profitieren. Denn sie können dann leicht Dienste für die verschiedenen Plattformen entwickeln und sie zum Download anbieten. Zugleich erschließen wir den Markt für Unternehmen, die Internet-Dienste als Zusatzleistungen anbieten wollen, zum Beispiel aus der Automobil oder TV-Branche.
Wie funktioniert die Plattform? Als Blackbox, in die eine neu programmierte Applikation gelegt wird, die dann als „App für alles“ wieder herauskommt?
Es gab und gibt in der Tat Überlegungen, die in diese Richtung gehen. Allerdings hat eine derartige Vorgehensweise unserer Ansicht nach keinen langfristigen Erfolg, weil diese Blackbox ständig an neue oder veränderte Geräte angepasst werden muss. WAX zielt deshalb darauf ab, für alle erdenklichen Endgeräte eine Art gemeinsame Sprache zu schaffen. Es ist fast widersinnig zu sehen, wie inkompatibel PC, Mac, Mobiltelefon, Navigationsgerät oder Spielekonsole sind, obwohl sie im Wesentlichen aus vergleichbaren Hardwarekomponenten bestehen. WAX stellt diese Kompatibilität her.
Warum setzt WAX ausschließlich auf Web-Technologien?
Web-Technologie ist aktuell und mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren ideal, um die technischen Hürden zu nehmen, die uns bevorstehen. Jeder Computernutzer merkt am eigenen Laptop, wie schnell sich Browser und mit ihnen die Applikationen entwickeln. Zudem finden Sie Browser heute in fast allen Endgeräten: Vom Computer über das Handy bis zum Hybrid-TV oder letztlich sogar dem Auto. Wir sind deshalb sicher, dass Anbieter in Zukunft browsergetrieben arbeiten und ihre Applikationen als Web-Apps entwickeln werden. Damit meine ich übrigens nicht nur aktuelle Spezifikationen wie HTML5. Wir denken schon an Nachfolger, die Dinge ermöglichen werden, die heute noch nicht flüssig umsetzbar sind. Natürlich aber wird es auch im Bereich von Web-Technologien entscheidend bleiben, dass Standards eingehalten werden. Deshalb ist es wichtig, dass unter anderen auch das W3C als wichtigstes internationales Standardisierungsgremium bei WAX mitarbeitet.
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