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Vom Saulus zum Paulus
Kolumne "Kochbuch"

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Kolumne | Kochbuch | Prof. Günter Koch
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In der vorletzten Ausgabe habe ich mich darüber mokiert, dass die EU-Kommission auf die Idee kam, ein eigenes europäisches Exzellenzinstitut nach dem Modell des MIT aufzugleisen. Mein Hauptargument war, dass solche Kopfgeburten aus dem politischen Raum so gut wie nie richtig funktioniert haben. Nun wurde ich vom Vorsitzenden des „Aufsichtsrats“ des EIT (M. Schuurmanns) aufgeklärt:
1) Die neue Fakultät, im Newspeak der Kommission als „Knowledge Intensive Community“ (KIC) bezeichnet, wird ein über Europa verteiltes Cluster der möglichst besten Einrichtungen und Forscher unserer Disziplin sein und nicht eine klassische universitäre Einrichtung an nur einem Ort.
2) Das Budget für die Aufbauphase soll pro Fakultät bis zu 400 Millionen Euro betragen.
3) Ähnlich wie bei der Exzellenzinitiative wird das Hauptkriterium die Neuartigkeit des Forschungs- und des Kooperationskonzeptes sein. Sehr bewusst, fast schon ein Credo ist, dass sich das Informatik- KIC eine strategische Perspektive zu geben hat – mit der Verpflichtung, immer auch die potentielle Verwertbarkeit der Forschungsarbeiten im Auge zu haben.
4) Das heißt, dass Forschungsprojekte sowohl „patentierbare“ Ergebnisse ins Auge fassen und/oder bewusst Ausgründungen neuer Firmen („Start-ups“) betreiben müssen.
5) Das Informatik-KIC soll nach Kriterien und Methoden geführt werden, wie sie in der industriellen High-Tech-Forschung schon längst angewandt werden. Dazu gehört ein Geschäftsplan und dass das Institutskonglomerat nach KPIs gesteuert wird.
6) Das KIC wird sich eine Struktur geben, an deren Spitze ein „Vorstandsvorsitzender“ (CEO) stehen wird, der weniger Wissenschaftler als vielmehr kompetenter Manager sein soll.
Ich bin mit den Jahren zu der Einsicht gelangt, dass gute Forschung gutes Forschungsmanagement benötigt. Forschung managen zu können, setzt einerseits persönliche Fähigkeiten, zum Beispel eine hohe Sozialkompetenz und Wertschätzung der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen, andererseits einige methodische Kenntnisse voraus, die nicht jedem gegeben sind. Letztlich muss ein Forschungsmanager dafür sorgen, dass alle Bedingungen stimmen, damit Spitzenforschung entsteht, also: a) Allokation passender Budgets, b) kreativitätsförderliche Räumlichkeiten, c) Schaffung eines freundlichen Institutsklimas, d) Wahl und Anleitung nicht nur der besten, sondern auch kooperationsfähigsten MitarbeiterInnen, e) Affinität zur geschäftlichen Verwertung von Forschungsergebnissen und f) professionelle Kommunikation der Leistungen des Instituts nach außen. Diesen „Wunderwuzzi“ gibt es selten, sicher aber ist, dass so jemand mehr können muss, als nur die beamtenhafte Tour wissenschaftlicher Qualifizierungsstufen absolviert zu haben. Nicht zuletzt diese kleine Revolution hat jedenfalls mich dazu veranlasst, hier geäußerten saulusschen Sarkasmus hinsichtlich dieses Projektes durch eine paulussche Erwartung zu ersetzen, dass bei diesem Vorhaben doch alles gut werden wird.
Prof. Günter Koch
…versteht sich als Wissen(schaft)smanager– ein international anerkannter Forscher, erfolgreicher Entrepreneur und „Navigator“ diverser großer Forschungseinrichtungen. Er schreibt in InnoVisions ab sofort regelmäßig über die Schnittstelle zwischen Forschung und Unternehmertum im Kontext forschungspolitischer Rahmenbedingungen.
…ist Gründer, Partner und Geschäftsführer des österreichischen Unternehmens execupery mit Arbeitsschwerpunkt Wissensbilanzierung.
...war bis 2007 Geschäftsführer des Central European Institute of Technology (CEIT) bei Wien, bis 2003 CEO der Austrian Research Centers (ARC), davor Chief Consultant bei SUN Microsystems in Genf.
...ist amtierender Generalsekretär des „New Club of Paris“ sowie Vorstand des Verbands der Österreichischen Softwareindustrie und Vizepräsident der Austrian
Association of Research in IT (AARIT).
…und gilt nach jahrzehntelangem Management von Forschungseinrichtungen als einer der profundesten Kenner der europäischen Forschungsszene.
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