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Vertragt euch – nicht!
Kolumne "Communiqué"
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Kolumne | Communiqué | Alexander Gerber
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Gehören Sie auch zu der kongressgeschädigten Generation derer, die ihren Laptop schon auspacken, wenn sie nur das Wort „Panel“ hören? Wie oft überbieten sich dann auf dem Podium die vermeintlichen Diskutanten in gegenseitiger Unterstützung und kultivierter Harmonie? Mehr denn je, denke ich, stehen deshalb in Zeiten des großen, streitbaren „Mitmachwebs“ öffentliche Debatten hoch im Kurs, gerade auch wenn es darum geht, wie Wissenschaft und Innovation besser Anschluss finden können an gesellschaftliche Trends. Es geht um die Frage, wie sich Vertrauen und Veränderungsbereitschaft gegenüber neuen Technologien dadurch aufbauen lassen, dass potenzielle Gegner schon frühzeitig miteinbezogen werden. Oder anders gefragt: Zu welchem Zeitpunkt hätten die Energiekonzerne ihre Pläne zur CO2-Verpressung im Erdboden öffentlich mit Greenpeace, betroffenen Anwohnern und so weiter diskutieren müssen, um den Kommunikations-und-Regulierungs-Gau Ende 2009 zu vermeiden? Wohlgemerkt: „öffentlich“ diskutieren! Wissenschaftlich untersucht werden „Debatten“ als Kommunikationswerkzeug unter anderem im Rahmen des Forschungsprojekts „Wissenschaft debattieren“ der Uni Stuttgart in Kooperation mit WiD. Praktisch angewandt werden sie unter anderem von der TELI, dem Berufsverband der Wissenschaftskommunikatoren.
Blickt man mal einen Moment darauf zurück, mit welchem Duktus Wissenschaft und Hochtechnologie in den vergangenen Jahrzehnten in die Öffentlichkeiten getragen wurden, dann ist der „öffentliche Diskurs“ im Grunde genommen fast schon die logische nächste Stufe in der Evolution der Kommunikation. Fehlt einer Innovation der Anschluss an den gesellschaftlichen Bezugsrahmen, ist sie schon vor der Markteinführung zum Scheitern verurteilt. Außerdem vollzieht sich Innovation längst in einer interaktiven Wertschöpfung mit anderen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, Kunden und Anwendern, ja sogar Mitbewerbern. Und hier kommt „Social Media“ ins Spiel: Die Skepsis gegenüber einer scheinbar auf 140 Zeichen reduzierten Forschung vernachlässigt die geradezu historischen Potenziale für eine vielleicht sogar erstmals wirklich gesamtgesellschaftlich geführte Debatte über Ziele und Auswirkungen heutiger Forschung und Entwicklung. Während nämlich angesichts von mehr als 100 Wissens-Sendungen im TV und Science-Centern allerorten die allgemeinen Kenntnisse über Technik seit Jahrzehnten zunehmen, scheint das gesellschaftliche Interesse an Wissenschaft im gleichen Maß zurückzugehen. Wenn der Schlüssel zum Verständnis von „Wissenschaft“ und „Innovation“ darin liegt, deren Prozesse zu verstehen und nicht etwa nur deren Ergebnisse, dann kommen doch die auch politisch geforderten öffentlichen Diskurse sehr gelegen, oder nicht? Diskutieren werden wir über dieses Thema übrigens auch Mitte Mai in einer öffentlichen Diskussionsrunde im Rahmen der Konferenz „Media for Science“ auf Einladung der EU-Ratspräsidentschaft in Madrid. Hoffen wir mal, dass es ein kontroverses „Panel“ werden wird.
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