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Technik gegen das Vergessen

Standards für seniorenfreundliche Wohnungen

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© Fraunhofer IGD — 

Technik gegen das Vergessen: Demenzkranke im Alltag unterstützen

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Marktreife2012

04. April 2011 — 

Nahezu jeder Mensch ist auf Hilfe angewiesen. Wer berufstätig ist vielleicht nur gelegentlich. Senioren oder behinderte Menschen häufiger. Sie sind dann oft auf Fachkräfte angewiesen, um auch weiterhin ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung führen zu können. Techniken des Ambient Assisted Living (AAL) können menschliche Hilfe zwar nicht ersetzen, aber in wichtigen Momenten entscheidende Fürsorgefunktionen übernehmen. Etwa wenn Menschen auf aktuelle Gefahrenquellen in den eigenen vier Wänden aufmerksam gemacht werden. Eine entscheidende Hilfe – vor allem für Demenzkranke.

Der demografische und soziale Wandel gehört zu den größten Problemen der Industriegesellschaft. So wird sich der Anteil der Über-65-Jährigen in Westdeutschland von 19 Prozent im Jahr 2005 auf voraussichtlich 29 Prozent, das heißt auf 22,1 Millionen Menschen, im Jahr 2030 erhöhen. Mit dem Wandel steigt sowohl der Bedarf an medizinischer und pflegerischer Versorgung als auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Schätzungen des Statistischen Bundesamtes gehen von einer Zunahme um circa 50 Prozent bis 2030 aus. Werden bislang noch etwa zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, stehen künftig immer weniger Pflegende immer mehr Pflegebedürftigen gegenüber. In „Ambient Assisted Living“ sehen Experten unter anderem von Fraunhofer IGD eine große Chance, kostengünstige und effektive Lösungen im Gesundheits- und Pflegebereich zum Nutzen des Einzelnen und der Gesellschaft bereitzustellen. Ziel ist es, auch einer reiferen Bevölkerung durch den Einsatz von IKT-Produkten und Ferndienstleistungen inklusive Betreuungsdiensten so lange wie möglich ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Eine gutes Beispiel für die Notwendigkeit und den Nutzen von AAL-Technologien sind derzeit Forschungen, um Demenzkranke im Alltag zu unterstützen. Bereits heute leiden weltweit rund 35 Millionen Menschen an der am meisten verbreiteten Demenzform Alzheimer. Weil nicht genügend Pflegekräfte zur Verfügung stehen, kann der Alltag für alleinlebende Betroffene lebensgefährlich sein, wenn sie vergessen, den Herd auszuschalten oder ein lebenserhaltendes Medikament einzunehmen.

In einem Forschungsverbund mit 21 Partnern aus sechs europäischen Staaten erarbeitete das Fraunhofer IGD deshalb technische Lösungen, die älteren und kranken Menschen Dienste für mehr Unabhängigkeit bieten. Im Rahmen des EU-Projekts PERSONA (PERceptive Spaces prOmoting iNdependent Aging ) beispielsweise entwickelten die Forscher eine Softwareplattform, die eine Basis für verschiedenste Unterstützungsanwendungen bildet. So sind nun beispielsweise die Voraussetzungen dafür geschaffen, die Küche mit einer Vielzahl von Sensoren auszustatten, die eine Interaktion der Küchengeräte über einen Home-Server ermöglichen. Vergisst der Bewohner, den Wasserhahn abzudrehen und Wasser gelangt auf den Boden, registrieren Sensoren auf Fußboden und am Spültisch die Gefahrensituation. Über die hauseigene Computeranlage und mithilfe einer entsprechenden Mechanik wird der Wasserfluss abgestellt und die Bewohner über einen Lautsprecher vor der Rutschgefahr auf dem Küchenboden gewarnt. Auf ähnliche Weise kann auch eine überhitzte Herdplatte abgeschaltet werden, um Verletzungen oder gar eine Brandkatastrophe zu verhindern.

Wegen der offenen Schnittstellen und der Unabhängigkeit beim Einsatz verschiedener Programmiersprachen ermöglicht PERSONA den unkomplizierten und reibungslosen Einsatz bereits bestehender Technologien im Bereich AAL. Denn weil die „intelligente“ Wohnumgebung in einem fast beliebigen Umfang um unterschiedlichste Applikationen und Geräte ergänzt werden kann, wird das System für nahezu jeden Anbieter nutzbar. In dieser (technisch) komfortableren Situation kann zudem eine breite Palette von AAL-Services entwickelt und getestet werden. Damit wird ein Grundstein für mögliche Businessstrategien gelegt, der die zukünftige Entwicklung der vorgelegten Technologien und Services markiert.

Mittlerweile ist die Plattform, die den naht- und komplikationslosen Zugang zu den verschiedenen AAL-Diensten gewährleistet, so ausgereift, dass sie die Voraussetzungen für eine unkomplizierte Integration weiterer AAL-Technologien und das perfekte Zusammenspiel aller Geräte des intelligenten Hauses in einem Ensemble ermöglicht. Die Ergebnisse von PERSONA fließen nun in das EU-Projekt universAAL ein. Ziel dieses Projekts ist es, einheitliche Standards für intelligente Wohnumgebungen voranzubringen und damit eine „Rahmenkonstruktion“ für die „mitdenkenden“ Wohnungen der Zukunft zu schaffen. Denn die Idee dieses umgebungsgestützten Lebens beschränkt sich nicht auf die Wohnräume der Senioren. Die AAL-Technologie soll zukünftig möglichst viele Lebensbereiche durchdringen und zudem beliebige Aufenthaltsorte abdecken: Von der eigenen Wohnung über die Nachbarschaft bis hin zu städtischen Räumen.

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