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Navigationsunterstützung für die Feuerwehr

Kleine akustische und optische Marker gewährleisten die Übersicht auch bei einem Einsatz in Feuer und Rauch

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Marktreife2012

26. Mai 2010 — 

Sankt Augustin, Fraunhofer FIT –

Ein Löschzug im Einsatz bei einem Wohnungsbrand: Aus dem zweiten Stockwerk dringt Rauch. Eine Person befindet sich noch in der Wohnung. Der Leiterwagen wird in Stellung gebracht, die Schläuche verlegt. In Zweiertrupps dringen die Einsatzkräfte unter Atemschutz in das Gebäude vor. Das Kommando lautet „Menschenleben in Gefahr“. Mit der schweren Ausrüstung ertasten sie sich ihren Weg im verrauchten Gebäude - kriechend, um der Hitze zu entgehen. Die Kommunikation ist durch die Atemschutzmasken schwierig, dennoch müssen sich die Trupp-Partner verständigen. Jedes Detail ist wichtig für die Orientierung und der Rückzugsweg muss gesichert bleiben. Als der verbleibende Vorrat an Atemluft bereits so gering ist, dass der Rückzug droht, finden die Männer die Bewohnerin. Über Funk informieren sie ihre Kollegen und bergen die Person aus dem Gebäude. Feuerkatastrophen wie diese finden jedes Jahr tausendfach in Deutschland statt – leider nicht immer mit einem (vergleichsweise) glücklichen Ausgang wie in diesem Beispiel. Betroffen sind dabei aber nicht nur die Bewohner eines Hauses, sondern natürlich auch die Feuerwehrleute. Allein bei der freiwilligen Feuerwehr, die einen Großteil der Feuerwehrkräfte in der Bundesrepublik stellt, kommt es durch gefährliche Einsätze zu über 16.000 Unfällen im Jahr. Oft spielen dabei Navigationsprobleme eine große Rolle. Rettungskräfte finden sich im dichten Rauch oder im Feuer schwer zurecht und verlieren kostbare Zeit, um Einwohner und sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Dennoch ist das oben beschriebene Beispiel einzigartig: Der Löschzug bestand zur Hälfte aus Forschern des Fraunhofer FIT. Sein Einsatz war nur simuliert und Teil eines Workshops, in dem das Fraunhofer FIT mit der Berufsfeuerwehr Köln, dem Institut der Feuerwehr in NRW sowie mit Partnern aus Industrie und Forschung eng zusammenarbeitet, um mit Hilfe neuester Computertechnologie ein Navigationssystem für Einsätze in verrauchten Umgebungen zu entwickeln. Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Forschung für zivile Sicherheit“ als Teil der Hightech-Strategie der Deutschen Bundesregierung geförderten Projekts ist es, elektronische „Marker“ zu entwickeln, die Feuerwehrleuten auch bei extremem Rauch oder Feuer die „Navigation“ durch ein Gebäude erleichtern: Zukünftig sollen die Einsatzkräfte wichtige Referenzpunkte mit interaktiven Komponenten (Landmarken) markieren können, um sich und nachfolgenden Trupps eine bessere Orientierung zu geben. Bisher kennzeichnen Einsatzkräfte in der Regel Türen von durchsuchten Räumen mit einfachen Strichen aus Ölkreide um beispielsweise anzuzeigen, welche Räume bereits nach Vermissten durchsucht wurden. Diese Markierungen sind allerdings schwer zu erkennen. Die neuen Landmarken sind deshalb mit einem kleinen Display und verschiedenfarbigen lichtstarken Leuchtdioden versehen. Die Farbe der LED Leuchten kann von einem Feuerwehrmann eingestellt werden, so dass sich zusätzliche Informationen ablesen lassen. Rot steht beispielweise dafür, dass sich in unmittelbarer Nähe ein zusätzlicher Gefahrenherd wie etwa ein Gasanschluss befindet. Eine grüne Landmarke am Türrahmen bedeutet, dass der dahinter liegende Raum bereits durchsucht wurde, ohne dass Personen gefunden wurden. Zusätzlich ist Sensorund Übertragungstechnik in die Landmarken integriert, so dass sie mit interaktiven Komponenten der Ausrüstung des Feuerwehrmanns „kommunizieren“ können. Auf diese Weise kann sich der Feuerwehrmann auch über den Status derjenigen Landmarken informieren, die er nicht sieht. So werden potentielle Gefahrenquellen früher erkannt und die Vermisstenrettung beschleunigt.

Dass die Forscher nicht nur im Labor, sondern auch eigene Erfahrungen sammeln wollen, ist kennzeichnend für die anwendungsorientierte Thematik des Forschungsprojekts. So arbeiten Feuerwehrleute während ihres Einsatzes natürlich mit Atemmaske und Handschuhen. Die Geräte müssen also auch unter diesen Bedingungen gut zu bedienen sein. Zudem sind Einsatzkräfte darauf trainiert, sich mit Hilfe herkömmlicher Werkzeuge und Methoden unter schwierigen Umgebungsbedingungen zurechtzufinden. Neue Technologien zur Navigationsunterstützung müssen diese eingespielten Routinen also aufgreifen und sinnvoll erweitern. Dafür arbeiten im Projekt „landmarke“ die Technologieexperten sehr eng mit den Experten der Feuerwehr zusammen, lernen so die Bedürfnisse der Einsatzkräfte vor Ort wirklich verstehen und können sie bei der Entwicklung neuer Technologien adäquat berücksichtigen. Erkenntnisse aus der Anwendung der Prototypen sollen nach Abschluss des Projekts im Jahr 2011 in neue Produkte des Industriepartners Drägerwerk aus Lübeck einfließen.

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http://innovisions.de/beitraege/navigationsunterstuetzung-fuer-die-feuerwehr/

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