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Internet & TV: Nicht nur für Couch-Potatos

Hybrid-TV bringt Fernsehen und Web zusammen

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© Fraunhofer FOKUS — 

Direkt am TV-Gerät wird ganz einfach mit der Fernbedienung das persönliche Wunschauto zusammengestellt und in Großansicht am Bildschirm präsentiert

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Marktreife2012

02. September 2011 — 

Internetfähige TV-Geräte sind der aktuelle Top-Trend in der Unterhaltungselektronik: Für 2011 erwartet die Branche ein Absatzplus von 60 Prozent. Allein in diesem Jahr werden knapp 3,5 Millionen Hybrid-Fernseher in deutschen Wohnzimmern neu ans Netz gehen. Nicht weniger dynamisch verläuft die Entwicklung im Hintergrund: Um die neuen Möglichkeiten des Fernsehens mit Webanschluss ausschöpfen zu können, müssen entsprechende Portale aufgebaut, TV-Apps entwickelt, neue Technologien etabliert und gemeinsame Standards gefunden werden.

Die Hersteller nennen es Hybrid-TV, Connected TV oder Smart TV. Doch trotz unterschiedlicher Bezeichnungen steckt dahinter stets dasselbe Grundkonzept: Fernsehgeräte verfügen zusätzlich zur Antennenbuchse über einen Internetanschluss. Zum Einen wird es damit möglich, über den im Gerät integrierten Web-Browser entsprechend aufbereitete Inhalte aus dem Internet abzurufen. Zum Anderen sind die Fernsehgeräte nicht mehr wie bisher in ihrem Funktionsumfang auf den Auslieferungszustand beschränkt, sondern können ähnlich wie ein Smartphone mit zusätzlichen Apps ausgestattet werden. Der heimische Fernseher wird damit zum Beispiel zum Videotelefon, zum Betrachter für Internetvideos, zur Bildschirmzeitung, zur Musikbox oder zum Online-Shop.

Dieses Grundkonzept ist herstellerübergreifend für alle internetfähigen Fernsehgeräte gleich. Allerdings bedeutet dies nicht, dass ihre Softwareausstattung und die in den speziellen TV-Web-Browsern und TV-Apps eingesetzten Technologien kompatibel sind. Dieser Umstand ist für die Entwickler von TV-Apps oder die Anbieter von über den Fernseher abrufbarer Web-Inhalte eine erhebliche Hürde. Sie müssen ihre Programme und den Content aufwendig für jede Herstellerplattform separat erstellen und testen.

Zur Unterstützung der Geräte- und Anwendungsanbieter entwickelte das Fraunhofer FOKUS eine Test Suite für die derzeit bestehenden Standardverfahren für die Schnittstellen zwischen Fernsehgeräten und Internetdiensten. Dazu zählen beispielsweise die spezifische HTML Beschreibungssprache für Consumer Electronic Produkte (CE-HTML), der ETSI-Standard HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) und die Spezifikationen des Open IP TV Forum (OIPF). Mit der Test Suite lässt sich das Zusammenspiel zwischen einzelnen internetfähigen TV-Geräten und den TV-Apps oder den Internetdiensten umfassend testen. So werden beispielsweise gezielt Softwareroutinen oder Programmfunktionalitäten dokumentiert, die von den Geräten nicht ausgeführt oder nicht korrekt verarbeitet und dargestellt werden können. Die Hersteller der TV-Geräte selbst gewinnen damit wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung ihrer Geräte und Anwendungsplattformen. Zudem werden die Ergebnisse aller Gerätetests in einer Wissensdatenbank gespeichert. Und die Entwickler von TV-Apps und Internetdiensten erhalten mit der Fraunhofer FOKUS Test Suite nach und nach eine Gesamtübersicht der Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf dem Markt verfügbarer internetfähiger TV-Geräte. Auf diese Weise wird eine effiziente Entwicklung von Anwendungen und Diensten möglich.

Die auf der IFA 2011 vorgestellte Fraunhofer FOKUS Test Suite wird den Geräte- und Anwendungsentwicklern künftig als Internet-Dienst zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse aller damit durchgeführten Tests sind zusätzlich eine wichtige Wissensbasis für die Standardisierungsgremien. Sie dienen als Erfahrungsinput sowohl dazu, die bestehenden Standards parallel zum Marktgeschehen weiter zu entwickeln als auch neue technologische Reglements zu etablieren.

Fernsehprogramme und Internetdienste können mit den internetfähigen TV-Geräten aber nicht nur nebeneinander als zwei getrennte „Welten“ genutzt werden. Beide Informationskanäle lassen sich auch unmittelbar miteinander verknüpfen. Dazu wurde der ETSI Standard HbbTV etabliert. Von den Fernsehanstalten werden dabei zusätzliche Signale ausgestrahlt, die auf Links zu ergänzenden Angeboten im Internet verweisen. Während einer Fernsehsendung wird am Bildschirm auf diese Zusatzangebote hingewiesen. Mit dem roten Knopf der Fernbedienung aktiviert der Nutzer diese Verknüpfung und die Bildschirmanzeige wechselt zu dem entsprechenden Internetangebot. Zu einem Nachrichtenbeitrag etwa lassen sich damit weitere Hintergrundberichte abrufen oder in der Mediathek des Senders nach weiteren Programminhalten zu einem Thema suchen. Darüber hinaus nutzen die Sender die direkte Verknüpfung mit dem Internet für eine Neugestaltung des Teletextes. Mit dem HD-Teletext ist es möglich, die Informationen zum aktuell laufenden Programm übersichtlicher aufzubereiten und etwa auch mit Filmtrailern zu ergänzen.

Wie sich die Verbindung von Fernsehprogramm und Internet in der Praxis nutzen lässt, zeigt Fraunhofer FOKUS mit einer gemeinsam mit dem Fernsehsender Pro Sieben und dem Autohersteller VW entwickelten Beispielanwendung. Aus einer Fernsehwerbung heraus kann mit der Fernbedienung ein Car-Configurator abgerufen und bedient werden. Am Fernseher im Wohnzimmer lassen sich nun das Wunschmodell und die individuelle Ausstattung eines Fahrzeugs zusammen stellen, Preise vergleichen, ein Fahrzeughändler in Wohnortnähe suchen oder der Termin für eine Probefahrt vereinbaren. Am Ende genügt wiederrum ein Knopfdruck auf der Fernbedienung, um zum laufenden Fernsehprogramm zurückzukehren.

Die Lösungen des Fraunhofer FOKUS liefern wichtige Einblicke in die Schnittstellen zwischen Hardware und Applikation. Größtenteils sind die notwendigen Technologien, um die Interaktivität in den heimischen Fernseher zu bringen, entwickelt. Aber es bedarf noch weiterer entsprechend interessanter hybrider TV-Anwendungen, um die neuen Möglichkeiten des Fernsehens mit Webanschluss umfangreich auszuschöpfen.

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