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Intelligente Räume verstehen Menschen blind
Die Konferenztechnik von morgen erkennt Worte und Gesten ihrer Nutzer und reagiert sinnvoll auf deren Ziele und Arbeitsstrategien
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Innovationsgrad
Marktreife2012
Karlsruhe, Fraunhofer IOSB –
Meeting im Sitzungsraum. Der Referent zeigt mit seinem Arm in Richtung Wand. Auf der zwei mal vier Meter großen Videowand startet selbsttätig die vorbereitete Präsentation. Ein Fingerzeig auf die linke obere Ecke der Projektion genügt, um zur nächsten Ansicht zu wechseln. Dass der Referent während seiner Ausführungen dabei ständig seinen Standort wechselt und von den unterschiedlichsten Standorten im Sitzungsraum aus mit der Videowand per Fingerzeig kommuniziert, spielt keine Rolle. Schließlich geht er auf die Wand zu. An der Stelle der Präsentationsfläche wird ein Fenster mit einem Auswahlmenü eingeblendet. Darin dargestellte Symbole und Begriffe kann er nun per Fingerzeig auswählen. Sie folgen seiner Armbewegung über die gesamte Videowand, bis er sie an der gewünschten Position durch Zurückziehen seiner Hand fixiert.
Eine so gestaltete, intuitiv und berührungslos gesteuerte Kommunikation mit der Videowand ist nur ein kleiner Ausschnitt der Möglichkeiten, die Konferenzräume und Planungszentralen der Zukunft im Zusammenspiel zwischen Technik und ihren Benutzern bieten werden. Am Fraunhofer IOSB werden solche Technologien und Kommunikationslösungen für „intelligente Räume“ entwickelt und erprobt. Um verschiedenste Szenarien der Arbeit im Konferenzraum der Zukunft zu erproben, wurde am Institut ein etwa sechs mal acht Meter großer Raum zu einem „Smart Control Room“ ausgebaut. Der gesamte Raum wird dabei mit Erfassungssystemen ausgestattet, die selbsttätig im Hintergrund arbeiten und das gesamte Geschehen im Raum in Echtzeit analysieren. In den oberen Raumecken und an der Decke sind zu diesem Zweck Kameras angebracht. Um die Qualität der Bildinformationen noch zu erhöhen, sind weitere vier Kameras über der Videowand montiert sowie zwei schwenk- und zoomfähige Geräte an den Seitenwänden angebracht. Beim Zusammenführen und der anschließenden Auswertung der so gewonnenen Kamerabilder wird es nicht nur möglich alle Personen im Raum gleichzeitig zu orten. Durch das detaillierte Erfassen von Personen und Bewegungen ist das System sogar in der Lage, die einzelnen Konferenzteilnehmer über eine Gesichtserkennung selbsttätig zu identifizieren. Mehr noch: Der „intelligente Raum“ kann jederzeit menschliche Gesten, wie etwa das Zeigen mit dem Arm, erkennen und darauf reagieren. Und da das Kamerasystem den Raum von allen Richtungen aus überblickt, lässt sich die Körper- und Kopfhaltung und damit die Blickrichtung der einzelnen Personen auch dann bestimmen, wenn die Person in einzelnen Perspektiven durch andere Menschen oder Gegenstände verdeckt ist.
Die Einsatzbesprechung in einem Planungszentrum, etwa bei der Durchführung einer Großveranstaltung, lässt sich durch eine derartige „intelligente Kommunikationsumgebung“ erheblich effizienter gestalten: So können mehrere Personen an einer großflächigen Videoleinwand gleichzeitig Übersichtspläne bearbeiten und dabei ihre Strategien abstimmen. Dafür wird für jeden der Beteiligten ein individueller „digitaler Werkzeugkasten“ angezeigt, sobald er an die Projektionsfläche herantritt. Wechselt er von der Videowand an einen anderen der im Raum verteilten Arbeitsplätze, sind Computer und Telefon dort bereits automatisch auf sein individuelles Nutzerprofil eingestellt. Unterstützt werden Planungsteams durch das umfassende Erfassungssystem außerdem bei der Dokumentation ihrer Arbeit. Wird von einer Konferenzsituation beispielsweise ein Audioprotokoll erstellt, lässt sich dies mit zusätzlichen Informationen der Videoanalysen ergänzen. Die Dokumentation könnte dann auch Auskunft über die Details der Gesprächssituation geben. Über Gesichtserkennung, Raumortung und Auswertung der Blickrichtung können die Beteiligten eines Zweiergesprächs identifiziert werden. Festgehalten werden auch Informationen darüber, welche Personen an der Diskussionen vor der Videowand aktiv beteiligt waren.
In einem weiteren Entwicklungsschritt des im Rahmen des Fraunhofer Attract Programms geförderten „Smart Control Room“ ist die zusätzliche Ausstattung mit Mikrofonen und akustischen Analysesystemen vorgesehen. Künftig wird die Interaktion zwischen Konferenzoder Kommunikationstechnik und den Nutzern nicht nur über Personenerkennung und Gesten, sondern ergänzend auch über Sprachsteuerung ermöglicht werden. Außerdem arbeiten die Entwickler daran, dem „intelligenten Raum“ beizubringen, verschiedenste Arbeitssituationen von der Teambesprechung bis zu Gruppen- und Einzeltätigkeiten zuverlässig zu erkennen. Das Ziel ist es, ein selbstlernendes System zu entwickeln, das aus den Erfassungsdaten automatisch die richtigen Schlussfolgerungen ziehen kann. Vor allem sehr zeitkritische und stressbehaftete Arbeiten in Einsatzzentralen oder Kontrollzentren sollen so durch eine situationsbezogene technische Unterstützung der Beteiligten erleichtert werden.
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