In Echtzeit durchs Netz

Gigabit-Kommunikation per Hard-, statt Software

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Marktreife2012

15. März 2011 — 

Leistungsfähige IT-Systeme verarbeiten jede Sekunde einen Datenstrom von mehreren hundert Gigabit – vorausgesetzt, die Daten sind auch rechtzeitig verfügbar. Ethernet-Netzwerke werden dabei schnell zur Datenbremse: Bereits bei Geschwindigkeiten von 10 Gbps benötigt die Software zur Verarbeitung der TCP und IP Protokolle bereits eine Rechenleistung, die die Kapazitäten vieler Datenserver übersteigt. Die Forscher am Fraunhofer HHI haben nun die gesamte Protokollverarbeitung vollständig in Hardware realisiert. Echtzeit-Anwendungen übers Netzwerk sind kein Problem mehr.

PC-Benutzern war ihr Anblick jahrelang vertrauter, als ihnen recht war: Die Sanduhr, das Desktopsymbol mit dem durch den Flaschenhals rieselnden Sand, das einem mitteilte, dass das System zur Verarbeitung der gewünschten Daten noch eine Zeit braucht. In den letzten Jahren aber ist sie eher selten zu sehen. Geschuldet ist dies vor allem der technischen Entwicklung, insbesondere der erheblich gestiegenen Leistungsfähigkeit der Rechnersysteme. Dennoch: Die Sanduhr könnte ein Revival erleben. Wegen des steigenden Leistungsanspruchs wird das Ethernet-Netzwerk mehr und mehr zur Datenbremse. Einen unkomprimierten HD-Videostream unterbrechungsfrei und live zu empfangen, ist derzeit schlicht nicht möglich. Der Grund dafür: Die Netzwerkübertragung erfolgt über TCP/IP Internetprotokolle. Verbindungen müssen auf- und abgebaut werden, die einzelnen Datenpakete beim Sender kodiert und beim Empfänger wieder decodiert werden, Bestätigungsmeldungen über den Erhalt der Pakete verschickt werden, der Übertragungsverlauf überwacht, Fehler korrigiert und schließlich der Datenstrom wieder zu einem Komplettstream zusammengesetzt werden. Ein Teil dieser Aufgaben kann zwar heute bereits von spezialisierten Hardwarekomponenten in den Netzwerkkarten übernommen werden. Für die übrigen Aufgaben aber müssen Softwarekomponenten auf dem Prozessor aktiv werden. Und bis diese Softwareaufgaben abgearbeitet sind, kommt gegebenenfalls wieder die Sanduhr zum Einsatz. Denn für eine Echtzeitübertragung eines HD-Videostreams wäre die benötigte Rechenleistung so groß, dass sie selbst die Möglichkeiten spezialisierter Datenserver übersteigt.

Wie eine Echtzeitübertragung im Gigabit-Bereich auch über Ethernet-Netzwerke ermöglicht wird, zeigen die Forscher am Fraunhofer HHI mit ihrem „Low Power Hardware 10GbE TCP/IP-Stack“. Sie entwickelten einen Demonstrator, der sämtliche Verarbeitungsaufgaben der Übertragungsprotokolle auf dedizierten Hardwarekomponenten ausführt. Sowohl für 1 Gigabit als auch für 10 Gigabit Netzwerke wurde jeweils ein TCP/IP Stack entwickelt, der vollständig als digitale Schaltung in der Hardware funktioniert. Für das Senden und Empfangen der Daten über das Netzwerk ist also kein ausführbarer Code und damit auch kein PC mit Betriebssystem mehr nötig. Als Demonstrationsumgebung integrierten die Forscher am Fraunhofer HHI den TCP/IP-Stack auf den programmierbaren Logikbausteinen eines FPGA.

Die vollständige Integration der gesamten TCP/IP-Protokollverarbeitung in die Hardware bringt mehrere Vorteile: Erstens ist die Protokollverarbeitung nun nicht mehr der bremsende Faktor, sondern kann die gesamte Bandbreite der Netzwerkverbindung mit 10 Gbps genutzt werden. Die Folge davon sind minimale Latenzzeiten, sodass Echtzeitanwendungen mit den TCP/IP-Protokollen möglich werden. Zweitens benötigt die Verarbeitung der Daten in den spezialisierten Hardwarekomponenten erheblich weniger Energie, als die Arbeit der CPUs bei einer softwarebasierten Übertragung. Drittens eröffnet die Hardware-Lösung des Fraunhofer HHI die Möglichkeit TCP/IP-Protokolle auch in eingebetteten Systemen einzusetzen - der sehr geringe Energieverbrauch sowie die Echtzeitfähigkeit machen es möglich.

Die schnelle und energiesparende Übertragungstechnik wird am Fraunhofer HHI nicht nur mit Blick auf HD-Videoübertragungen erprobt. Weitere Einsatzbereiche sind auch sehr datenintensive Echtzeit-Anwendungen, wie sie zum Beispiel für die maskenlose Lithografie, im Börsenhandel oder beim High-Performance-Computing verwendet werden. Parallel zu weiteren Optimierungen der aktuellen 10 Gigabit-Lösung arbeiten die Forscher am Fraunhofer HHI bereits an der nächsten Generation, einem 40 Gigabit TCB/IP-Stack, sowie einem TCP/IP-Stack als IP-Core für die Verwendung in hochintegrierten System-on-Chip Lösungen.

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Letzte Kommentare auf InnoVisions

15 Kommentare

Clouddienste sind vorerst vor allem was für Informations-und Wissensjunkies in Wissensberufen. Ob sie sich über Facebook hinaus überhaupt jemals stark in der Masse durchsetzen werden, wage ich stark zu bezweifeln.

Vertrauen? Sicherheit? Ach, funktionieren soll es!

Michael P. via InnoVisions am 08. März 2012

Das ist mal was wirklich nützliches. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Menschen den Aktionsradius, die Beweglichkeit und Geschwindigkeit von Industrierobotern oft unterschätzen. Jetzt bitte noch so, dass man nicht erst ein 3D-Modell der Halle mit allen Anlagen bauen muss, sondern, dass das System selbst lernt, welcher Roboter sich in welchen bereichen bewegt.

Sicher arbeiten mit Kollege Roboter

Mohser via InnoVisions am 22. Februar 2012

Vielen Dank für Ihre Information und Ihren Kommentar. Bezugnehmend auf den ersten Punkt, so berichten wir in unserem Beitrag darüber, dass embedded high speed Hardware Komponenten am Fraunhofer HHI entwickelt werden, jedoch nicht an der HTW Berlin. „[…] entwickeln die Spezialisten für High-Speed-Hardware-Architekturen am Fraunhofer HHI neuartige Hardware-Komponenten. […]“ Bitte entschuldigen Sie jedoch vielmals den Fehler bzgl. der Position von Prof. Gregorius. Diesen Sachverhalt werden wir umgehend in dem Artikel richtig stellen.

Embedded Systems am Fraunhofer HHI

InnoVisions Redaktion - Ines Lehrke via InnoVisions am 22. Februar 2012

Richtigstellung zu falschen Angaben in diesem Beitrag Der seit 15 Jahren an der HTW angebotenen Studiengang Mikrosystemtechnik bildet in erster Linie neben einschlägigen Grundlagen Studenten auf den fachlichen Gebieten Entwurfstechniken, Applikation und Technologie der Mikrosystemtechnik erfolgreich aus. Im Zusammenhang damit bestanden und bestehen viele Beziehungen mit Betrieben und Institutionen vor allem in Berlin. Mit einiger Überraschung nehmen deswegen die langjährigen Professorenkollegen im Studiengang Mikrosystemtechnik der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hier zur Kenntnis, dass neuartige embeddet high speed hardware Komponenten in unserem Studienbereich entwickelt werden sollen. Davon ist uns nichts bekannt. Auch existiert in unserer (Fach-) Hochschulstruktur überhaupt kein Institut für Mikrosystemtechnik. Im vergangenen Jahr wurde dagegen die im Studiengang Mikrosystemtechnik vakante Stelle für Lehraufgaben auf den Gebieten Mikroelektronik, Mikrooptik und Mikrosensorik mit dem Kollegen Prof. Gregorius - [...] – wieder besetzt. [...] [A.d.R.: Kommentar wurde gekürzt, um den Schutz der Privatsphäre im Arbeitsverhältnis zu gewährleisten.] Der Studienganssprecher für Mikrosystemtechnik an der HTW Berlin.

Embedded Systems am Fraunhofer HHI

Schauer via InnoVisions am 21. Februar 2012

Sie haben es ja noch Gold...ich arbeite im Gesundheitswesen - auf unseren Kongressen wird immer wieder deutlich, dass die meisten Kassenfürsten, Ärztevertreter und Klinikkonzernherrscher immer noch hoffen, dass dieses Internet nur eine Modeerscheinung ist und wir bald wieder alles auf Holz klöppeln wie '87. Ich will immer Steine schmeissen, wenn ich da im Publikum sitze.

E-Mobile – Zeit für den Bildschirmwechsel

MQuentin via InnoVisions am 24. Oktober 2011

Eine sicher gute Idee, aber durch die zahlreichen Sicherheitslücken (http://www.ausweis-app.com/sicherheitsluecke/gehackt-malware/) und die geringe Akzeptanz im Internet (aktuell noch), stellt sich die frage nach dem Nutzen.

Der Ausweis fürs Netz

Alex via InnoVisions am 20. September 2011

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