Gehirnströme, Skat und Leadership Teams

Kolumne "Killers Applikation"

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Killers Applikation Kolumne Keyvisual

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11. Dezember 2009 — 

Man sollte sich von Fraunhofer- Forschern einfach keine Elektroden am Kopf befestigen lassen. So was tun die nämlich gerne, um Journalisten zu verblüffen und so mediale Aufmerksamkeit zu erregen. – Es hinterlässt aber bleibende Schäden, weil es einem die Gemütsruhe raubt.

Die Elektroden werden mit einem Rechner verbunden, der die Gehirnströme aufzeichnet, bilden so ein BCI (Brain- Computer-Interface), und damit erkennt der Forscher dann beispielsweise, welches von vielen gezeigten Bildern man sich – vermeintlich heimlich – ausgeguckt hat: Der Mann kann mit seinen Elektroden Gedanken lesen!

Seit der Schreiber sich einem derartigen Eingriff an der offenen Seele unterzogen hat, ist er schwer gehandicapt: Er kann nicht mehr ungezwungen mit Junior PRManagerinnen plaudern. Das sind jene meist ausgesprochen hübschen Frauen, die mal „irgendwas mit Medien“ machen wollten und jetzt versuchen, die sprachlichen Missbildungen aus Marketing-Abteilungen in Redaktionen zu transferieren. Ein trauriges Schicksal. – Aber ein schöner Anblick. Und welche Gedanken der bei Männern hervorruft, können sich die Frauen natürlich denken. Aber die Vorstellung, sie wüssten es sicher und konkret, lässt einen doch erröten. Und aus ist’s mit der Ungezwungenheit.

Wären die BCIs so weit verbreitet wie die USBs, die Welt würde aus den Fugen geraten. Komplimente, Ausreden und Notlügen, also alles, was sich mit dem 8. Gebot nicht ganz 100-prozentig in Übereinstimmung bringen lässt, meist aber höchstens eine lässliche Sünde darstellt und darüber hinaus sich als oft äußerst nützlich erweist, würde verunmöglicht.

Wären Gedanken lesbar, so würde man liebgewonnene Freuden missen, etwa die, einen Kumpel beim Skat laut zu beschimpfen, weil der mal wieder zur Unzeit Trumpf gespielt hat. Null ouvert wäre keine Ausnahme mehr, sondern alles wäre ouvert. Ja, es gäbe überhaupt kein Skatspiel mehr, weil man nach dem Geben gleich aufschreiben könnte.

Oder die Auswirkungen auf die Arbeitswelt: Deren Gerüst bilden ja Hierarchien, an deren Spitzen Führungspersönlichkeiten oder Leadership Teams stehen, die sehr viel Verantwortung tragen. Ihnen muss Respekt entgegengebracht werden. Der aber wäre gefährdet, wenn allgemein bekannt wäre, was Leute am anderen Ende der Hierarchien von ihnen halten.

Andererseits könnte Arbeit, ohne dass einem dabei ein Chef im Weg herumsteht, auch sehr produktiv sein. Und wer weiß, vielleicht wäre die besonders hübsche Junior PR-Managerin gar nicht so empört, ob der Gedanken, die sie lesen könnte.

Es ist halt ambivalent. Man weiß nicht so recht, soll man sich vor BCIs fürchten oder darauf hoffen? Zum Glück wird einem diese Entscheidung abgenommen. Die Fraunhofer-Forscher entschlüsseln Gehirnströme schließlich nur, um damit einmal intelligente Körperprothesen steuern zu können. Und das ist auf jeden Fall eine gute Sache.

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