Berliner Firmenlauf 2012

„Die Zukunft gehört dem flexiblen Arbeiten“

„Die Zukunft gehört dem flexiblen Arbeiten“

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26. Mai 2010 — 

Man mag es vielleicht manchmal bedauern, doch für die meisten von uns ist mobiles Arbeiten in Flughafen-Lounges oder im Zug, nachts am Hotelschreibtisch oder mit dem Smartphone in langatmigen Meetings längst mehr die Regel als die Ausnahme. Wie geht diese Entwicklung weiter, Herr Dr. Bauer?

Wir werden uns nicht mehr vor jeder Reise überlegen müssen, was wir an Arbeitsgeräten und Dokumenten einpacken müssen, denn dank breitbandiger mobiler Netzwerke können wir nahezu überall in einer Geschwindigkeit auf Daten zugreifen, wie wir es lange Zeit nur aus dem Büro kannten. Wissensarbeit hat die Grenzen der Büros längst verlassen und verändert sich künftig vor allem in drei Dimensionen: Es gibt die zeitliche und die strukturelle Flexibilisierung – immer mehr Teamarbeit, Kooperation, Netzwerke. Und es gibt darüber hinaus die räumliche Flexibilisierung, also Arbeit an verschiedenen Orten.

Also ist „nine to five“ im immobilen Büro ein Auslaufmodell?

Ich denke schon, in dieser Kombination sicher, ja.

Gilt das auch künftig eher nur für Manager und Kreative?

Man kannte vor 20 Jahren solche Arbeitsweisen ja zunächst im Vertrieb oder in der Beratung. Heute erleben wir sie fast überall. Prognosen gehen davon aus, dass sich in den nächsten vier bis fünf Jahren die Anzahl der Beschäftigten, die regelmäßig Telearbeit durchführen, in etwa verdoppeln wird. Beispiele wären Vertrieb, Softwareentwicklung, Marketing, Strategieabteilungen, Forschung und Entwicklung, aber auch viele Sachbearbeitungstätigkeiten. Sogar öffentliche Verwaltungen denken über mehr Bürgernähe durch Flexibilisierung nach. Der klassische Sachbearbeiter wird immer weniger gebraucht, weil Prozesse rationalisiert, durch Technologie ersetzt oder beschleunigt werden.

Das sind ja eher arbeitspraktische Gründe. Was sagen Sie zu den individuellen menschlichen Aspekten?

Menschen können ihr volles Leistungsvermögen dann entfalten, wenn sie reizvolle, anspruchsvolle und zugleich komplexe Aufgabenstellungen vorfinden. Hierzu ist es notwendig, dass Mitarbeiter über ein ausreichendes Maß an Selbstbestimmung, Selbstorganisation und über die entsprechenden Handlungsspielräume verfügen. Es gibt Tag- und Nachttypen, es gibt Menschen, die lieber am Samstag arbeiten, weil sie sagen, da ist ja eh nichts los, da habe ich lieber mal unter der Woche frei. All das kann man bei flexibleren Organisationsmodellen berücksichtigen.

Gibt es also bald keine Büros mehr?

Bürogebäude werden in Zukunft in erster Linie Kommunikationsorte sein. Warum geht man da hin? Nicht um sein Notebook aufzuklappen – das kann man überall – sondern um Kollegen oder Geschäftspartner zu treffen. Die besten Ideen entstehen immer noch im Dialog und Austausch zwischen Menschen. Das klassische Bürogebäude mit langen Fluren und Einzel- oder Doppelzimmern, die davon abgehen, ist out – das wird auch kaum noch gebaut. Büros sind schon jetzt immer häufiger offene Strukturen. Die Flexibilisierung, die zwischen den Gebäuden und der Außenwelt stattfindet, spiegelt sich auch in den Gebäuden und das bringt ganz konkrete Vorteile: BMW hat in Leipzig durch eine von uns konzipierte offene Bürostruktur die Zahl der formalen Meetings um die Hälfte reduziert - vieles wird im spontanen direkten Dialog erledigt. Wir werden uns also künftig wieder mehr auf das konzentrieren können, was wir am besten können: denken, konzipieren, planen, entscheiden. Und vor allem: kommunizieren.

Was heißt das für die Work-Life-Balance?

Man kann zum Windsurfen gehen, wenn der Wind bläst, und nicht nur dann, wenn die Stempeluhr es zulässt. Man kann also dann arbeiten, wenn man dazu richtig Lust hat, wenn es gerade gut läuft oder wenn es eben viel zu tun gibt. Voraussetzung dafür ist, dass man sich selbst gut organisiert. Das ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel: Ich arbeite mit wem, wann und wo ich will. Die Arbeit kommt dabei zu mir und nicht umgekehrt.

Mancher hat vielleicht lieber pünktlich Feierabend und lässt die Arbeit im Büro…

Das kann er ja auch weiter tun. Jeder hat aber jetzt die Freiheit, selber zu entscheiden, wie er arbeiten möchte – vorausgesetzt, es passt mit den betrieblichen Bedingungen zusammen. Natürlich darf meine Work-Life-Balance nicht auf Kosten meiner Kollegen gehen. Zur Flexibilität gehört auch Verantwortung, Verbindlichkeit und Organisiertheit. Es geht nicht um ein Entweder-Oder. In unseren Studien haben wir eindeutige positive Wirkungen eines Flexible Office im Hinblick auf die Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiter nachgewiesen. Vor allem aber steigt die Innovationsqualität. Echte Schlüsselinnovation entsteht ja nur selten im stillen Kämmerchen, sondern im Dialog mit anderen. Durch eine höhere Motivation der Mitarbeiter nimmt das proaktive Handeln zu, das Mitdenken. Dadurch wird mehr Energie freigesetzt, und das kommt dem Unternehmen zugute.

Ersetzt die digitale berufliche Kommunikation bald die Dienstreise?

Nein, wir werden auch in Zukunft durch die Welt fliegen müssen. Die Telepräsenz ist noch lange nicht so gut, dass sie das persönliche Treffen vollständig ersetzen kann. Reisen ist auch ein menschliches Bedürfnis, wir erkunden gern neue Welten. Aber heute sind das eben zunehmend auch virtuelle Welten. Tatsächlich reisen viele von uns zu einer Vielzahl von Meetings, die leicht durch Telepräsenz-Sitzungen ersetzt werden könnten. Wir könnten uns damit oft das frühe Aufstehen und das Spät-am-Abend-nach-Hause-kommen locker sparen. Auch im Sinne der ökologischen Wirkung würden wir damit einen tollen Beitrag leisten.

Gesprächspartner: Alexander Gerber

Teile dieses Interviews finden Sie auch im „Lufthansa-Magazin“.

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http://innovisions.de/beitraege/die-zukunft-gehoert-dem-flexiblen-arbeiten/

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