Die Wege zum Wissenwissen

Für KMU ist Wissensmanagement ein entscheidender Faktor für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg

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23. März 2009 — 

Wien – WIFI Unternehmerservice – Fast jeder Mitarbeiter in einem kleinen Betrieb betreut heute neben seiner eigentlichen Position noch einen weiteren Verantwortungsbereich – ohne, dass dies auf seiner Visitenkarte eigens erwähnt wird: Er ist auch „Knowledge-Manager“. Denn wenn es um das Erhalten, Weitergeben und Erweitern von erfolgskritischem Know-how geht, muss das Wissensmanagement in der Arbeitskultur aller Mitarbeiter verankert und von diesen auch gelebt werden. Gerade in Zeiten schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ist es für eine Sicherung des Geschäftserfolgs über den aktuellen Auftragsbestand hinaus eine Grundvoraussetzung, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ihren „Wissensvorsprung“ halten und das intellektuelle Kapital sinnvoll „anlegen“, um sich der Konkurrenz gegenüber behaupten und von ihr klar abgrenzen zu können.

Dazu allerdings müssten in einem ersten Schritt geeignete Maßnahmen eingeleitet werden, um das bereits im Unternehmen vorhandene Wissen zu sichern. Analysiert man den Stellenwert des Wissensmanagements in KMU allerdings genauer, zeigt sich, dass ein Großteil dieses Kapitals ungeordnet und fast ungeschützt „herumliegt“, statt pfleglich behandelt zu werden: In neun von zehn KMU sind Fragen der Wissenssicherung ungelöst! Und das, obwohl „ein Verlust von Unternehmenswissen für die überwiegende Zahl der kleinen und mittleren Unternehmen kritische wirtschaftliche Konsequenzen mit sich bringen kann“, so Wissens- und Innovationsforscher Dr. Reinhard Willfort. Während es auch in kleinen Unternehmen heute selbstverständlich ist, die wirtschaftlichen Kennzahlen regelmäßig auszuwerten, um finanzielle Risikenrechtzeitig erkennen zu können, wird der Erfolgsfaktor „Wissen“ dagegen kaum und noch seltener kontinuierlich gepflegt beziehungsweise zielgerichtet ausgebaut.

Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diesem Trend entgegengesteuert werden kann, ist das Ziel einer gemeinsamen Wissens-Offensive des WIFI Unternehmerservice der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und des österreichischen Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend. Sie wollen den Verantwortlichen in KMU die mit „Wissen“ unmittelbar verknüpften Chancen und Gefahren bewusst machen und Möglichkeiten für den bewussten Umgang mit Wissen und Innovation aufzeigen. Im Rahmen einer „Roadshow“ finden dazu in Zusammenarbeit mit Wissensexperten wie Willfort in allen österreichischen Bundesländern Informationsabende speziell für die Entscheidungsträger kleiner und mittlerer Unternehmen statt. Mehr als 800 Unternehmer haben bereits an den ersten Veranstaltungsrunden teilgenommen. Eine zweite Runde wird im Mai 2009 stattfinden. Im Mittelpunkt der Treffen, an denen in der Regel zwischen 50 bis 150 Unternehmensvertreter teilnehmen, stehen dabei nicht abstrakte Theorien des Wissensmanagements, sondern Umsetzungsbeispiele aus der Praxis ausgewählter KMU. Zusätzlich werden runde Tische – sogenannte Schatzinseln - eingerichtet, an denen ein intensiver Erfahrungs- und Gedankenaustausch zwischen den Unternehmern und den moderierenden Wissensexperten angeboten wird. Dies ist insofern besonders wichtig, weil es praktisch kein Unternehmen gibt, bei dem eine Standardlösung für das Wissensmanagement sinnvoll ist. Denn so individuell KMU sind, so individuell müssen auch Wissensstrategien ausgearbeitet und eingesetzt werden. Dies gilt insbesondere deshalb, weil das erfolgskritische Wissen in den Köpfen weniger Mitarbeiter steckt und so nur schwer übertragen oder konserviert werden kann. „Versuche, die Wissenssicherung ausschließlich mit IT-Einsatz und Dokumentation lösen zu wollen, scheitern in den allermeisten Fällen“, betont Willfort. Dennoch können die Unternehmen der Gefahr eines Verlustes des für den Unternehmenserfolg mitentscheidenden Wissens gezielt vorbeugen. Geeignete Maßnahmen binden das Personalmanagement und den Führungsstil ebenso mit ein, wie die Geschäftsstrategie. Die „menschlichen Wissensträger“ werden dabei als wertvoller Wertschöpfungsfaktor berücksichtigt. Ihnen kann im Unternehmen beispielsweise eine längerfristige Perspektive geboten werden, wenn für sie als Wissensarbeiter im Unternehmensalltag ausreichende Freiräume für die Entfaltung ihrer Kreativität und für Lernprozesse verankert sind und ihre persönliche Perspektive regelmäßig mit der Entwicklungslinie des Unternehmens abgeglichen wird. „Der bewusste Umgang mit Wissen ist eine Managementaufgabe, die das Ziel verfolgen muss, eine Unternehmenskultur aufzubauen und zu leben, die die Potentiale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördert und fordert. So werden sie zu „Mitdenkern“ für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung“, fasst Willfort zusammen.

Den Wert des Wissens als Erfolgsfaktor zu erkennen und zu nutzen, beschränkt sich dabei nicht auf den Horizont des Unternehmens selbst. Erst durch das Vernetzen mit den Wissensträgern auch anderer Branchen werden zahlreiche Produktideen und innovative Dienstleistungskonzepte sichtbar und ermöglicht. Am individuellen Erfolg vieler kleiner und mittlerer Unternehmen lässt sich zeigen, dass die erfolgreichen Netzwerker unter ihnen mit einer Strategie des „Teilens von Wissen“ immer wieder neue Marktnischen finden und besetzen können. Da im Unterschied zu großen Unternehmen in den KMU sehr viel Wissen auf wenige Personen konzentriert ist, sind sie in der Lage, ihre Erfahrungen und Vorstellungen rasch zu kommunizieren und mit neuem Wissen zu ergänzen. „Verbinden sich die nötige Offenheit für Kooperationen mit der KMU-typischen Flexibilität, gewährleisten dynamische Wissensnetzwerke einen großen Leistungsvorteil. Denn Produkt- und Dienstleistungslösungen können optimal am Kundenbedarf ausgerichtet und kurzfristig umgesetzt werden“, so Willfort. Dabei sei es allerdings entscheidend, einen eigenen Weg im Umgang mit dem Wissen der Mitarbeiter zu finden. Auch dabei werden interessierte Unternehmen in Österreich von der Wirtschaftskammer unterstützt: Mit Beratungen vor Ort helfen die Wissensspezialisten – im Auftrag der Wirtschaftskammer - bei der Identifizierung des erfolgskritischen Wissens im Unternehmen und zeigen Möglichkeiten auf, wie nicht genutzte „Wissensschätze“ gehoben werden können. Dazu zählen beispielsweise auch geeignete Maßnahmen, um von Vorne herein zu verhindern, dass zusätzliche Aufgaben des Wissensmanagements von den Mitarbeitern mehr Zeit erfordern, als dies unbedingt nötig und zumutbar ist. „Wissensnetzwerke effizient zu nutzen heißt auch, darauf zu achten, dass die Wissensumgebung die Arbeit einfacher und nicht noch komplexer macht“, unterstreicht Willfort.

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