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Vom Telefon zum Sprengstoffdetektor

Mit ausgereifter Technik der optischen Telekommunikation werden Terahertz-Systeme für mobile Kontrollen entwickelt

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Marktreife2011

20. August 2008 — 

Eine Pistole in der Handtasche, ein Messer im Jackett oder die im Absatz eines Schuhs deponierte Rasierklinge: All dies sind potenziell gefährliche Gegenstände, die bei Sicherheitskontrollen zuverlässig gefunden werden müssen. Weil sie alle aus Metall sind, lassen sie sich mit Röntgentechnik und Metalldetektoren vergleichsweise schnell und treffsicher aufspüren. Weit mehr Schwierigkeiten bereiten den Sicherheitskräften dagegen Stoffe wie Plastiksprengstoff, der etwa im Hosenbund versteckt sein könnte und deshalb beim Abtasten nur schwer zu entdecken ist. Oder gefährliche Flüssigkeiten, die als Kosmetiklotion oder ganz normales Getränk getarnt sind und ohne chemische Analyse von harmlosen Flüssigkeiten meist nicht zu unterscheiden sind. Ein Prinzip zur Lösung des Problems kennen Physiker schon seit Jahren: Terahertz-Wellen können durch die Kleidung hindurchschauen und werden von nichtmetallischen Stoffen wie Kunststoff, Keramik oder Flüssigkeiten auf spezifische Weise reflektiert, so dass die Substanzen erkannt werden können. Der Grund, warum die Terahertz-Wellen auf Flughäfen oder bei Zutrittskontrollen im Rahmen von Großereignissen in der Praxis nicht schon längst eingesetzt werden, liegt im bislang hohen Aufwand, mit dem Terahertz-Wellen erzeugt und die reflektierten Strahlen wieder empfangen werden müssen.

Im Frequenzspektrum liegen die Terahertz-Wellen im Bereich zwischen 100 Gigahertz und 10 Terahertz und damit zwischen den Radiowellen zum einen und dem sichtbaren Licht zum anderen. Beide Seiten des Spektrums sind für technische Anwendungen gut erschlossen. Die Radiowellen einerseits werden bis in den Mikrowellenbereich für Herde oder Funknetze genutzt. Erzeugt werden sie mit Transistoren, die Wellen bis maximal etwa 50 Gigahertz produzieren. Auf der anderen Seite des Spektrums geht der Terahertz-Bereich über in den Wellenbereich der Infrarot-Wärmestrahlung, mit der zum Beispiel die Fernbedienung des Fernsehers arbeitet. Über Laser lassen sich hier Frequenzen von 30 Terahertz (entsprechend einer Wellenlänge von 10 Mikrometer) und mehr erzeugen. Von dieser Seite des Wellenspektrums aus ist es am Fraunhofer HHI nun gelungen, mit bewährten Komponenten aus der Telekommunikationstechnologie Terahertz-Wellen im Bereich von 0,1 bis 3 Terahertz nicht nur erzeugen und erfassen zu können, sondern dies vor allem mit einem kleinen und damit sehr flexibel einsetzbarem Gesamtsystem umzusetzen.

Die Grundstruktur des Systems basiert auf Technologien, die ursprünglich für die optische Telekommunikation entwickelt wurden. In einer Steuereinheit erzeugen zwei Halbleiterlaser im Bereich von 1,5 μm (Mikrometer) ein Schwebungssignal, dessen Frequenz durch einfache Wellenlängenabstimmung auf den gewünschten Wert im Terahertz-Bereich eingestellt werden kann. Dieses optische Signal wird über eine Glasfaser zur Sendeeinheit übertragen. In dieser befindet sich ein am Fraunhofer HHI entwickelter optoelektronischer Chip, ein sogenannter Photomischer, der die optische Schwebung in ein Terahertz-Signal umsetzt und abstrahlt. Die Detektionseinheit beinhaltet einen ähnlichen Chip, der gleichzeitig das Terahertz-Signal empfängt und von einem optischen Signal angesteuert wird. Durch diese Anordnung kann die „kohärente“ Detektionstechnik angewandt werden, ein höchst empfindliches Verfahren, das beispielsweise auch beim Satelliten-Empfang genutzt wird. Im Rahmen eines vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts entwickelt das Fraunhofer HHI derzeit eine solche handliche Sende-/Empfangseinheit, die mit der Basiseinheit über Glasfasern flexibel verbunden ist.

Weil das System zur Nutzung der Terahertz-Wellen überwiegend mit ausgereiften und handlichen Standardkomponenten aus der Telekommunikationstechnologie aufgebaut ist, bietet es eine neuartige und weltweit wohl einmalige Flexibilität. Bislang basierten die wenigen bereits am Markt verfügbaren Systeme auf großen und schweren, stationären Geräten. Die am Fraunhofer HHI gemeinsam mit einem Industriepartner entwickelte handliche Geräteeinheit dagegen lässt sich mobil einsetzen. Zum Beispiel wäre es bald denkbar, damit Personen nach verstecktem Sprengstoff „abzuscannen“ und das Ergebnis auf einem Bildschirm ähnlich einer Röntgenaufnahme anzuzeigen. Gegenüber den Röntgenstrahlen haben die Terahertz-Wellen neben der Erkennungsleistung bei nichtmetallischen Stoffen noch einen weiteren Vorteil: Sie sind für den menschlichen Körper völlig unbedenklich. Schwerpunkt der Anwendungsentwicklung am Fraunhofer HHI ist derzeit die Untersuchung von in Flaschen abgefüllten Flüssigkeiten. Die Reflexion der Terahertz-Wellen wird mittels Spektroskopie analysiert. Aus der Zusammensetzung des Spektrums lässt sich dann die Art der Flüssigkeit feststellen. Bis zu einem Praxiseinsatz müssen allerdings sowohl die technischen Komponenten als auch die Mess- und Auswertungsverfahren noch verbessert werden, um in der kurzen Zeit, die bei Sicherheitskontrollen zur Verfügung steht, ausreichend genaue Ergebnisse zu erzielen.

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Letzte Kommentare auf InnoVisions

15 Kommentare

Clouddienste sind vorerst vor allem was für Informations-und Wissensjunkies in Wissensberufen. Ob sie sich über Facebook hinaus überhaupt jemals stark in der Masse durchsetzen werden, wage ich stark zu bezweifeln.

Vertrauen? Sicherheit? Ach, funktionieren soll es!

Michael P. via InnoVisions am 08. März 2012

Das ist mal was wirklich nützliches. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Menschen den Aktionsradius, die Beweglichkeit und Geschwindigkeit von Industrierobotern oft unterschätzen. Jetzt bitte noch so, dass man nicht erst ein 3D-Modell der Halle mit allen Anlagen bauen muss, sondern, dass das System selbst lernt, welcher Roboter sich in welchen bereichen bewegt.

Sicher arbeiten mit Kollege Roboter

Mohser via InnoVisions am 22. Februar 2012

Vielen Dank für Ihre Information und Ihren Kommentar. Bezugnehmend auf den ersten Punkt, so berichten wir in unserem Beitrag darüber, dass embedded high speed Hardware Komponenten am Fraunhofer HHI entwickelt werden, jedoch nicht an der HTW Berlin. „[…] entwickeln die Spezialisten für High-Speed-Hardware-Architekturen am Fraunhofer HHI neuartige Hardware-Komponenten. […]“ Bitte entschuldigen Sie jedoch vielmals den Fehler bzgl. der Position von Prof. Gregorius. Diesen Sachverhalt werden wir umgehend in dem Artikel richtig stellen.

Embedded Systems am Fraunhofer HHI

InnoVisions Redaktion - Ines Lehrke via InnoVisions am 22. Februar 2012

Richtigstellung zu falschen Angaben in diesem Beitrag Der seit 15 Jahren an der HTW angebotenen Studiengang Mikrosystemtechnik bildet in erster Linie neben einschlägigen Grundlagen Studenten auf den fachlichen Gebieten Entwurfstechniken, Applikation und Technologie der Mikrosystemtechnik erfolgreich aus. Im Zusammenhang damit bestanden und bestehen viele Beziehungen mit Betrieben und Institutionen vor allem in Berlin. Mit einiger Überraschung nehmen deswegen die langjährigen Professorenkollegen im Studiengang Mikrosystemtechnik der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) hier zur Kenntnis, dass neuartige embeddet high speed hardware Komponenten in unserem Studienbereich entwickelt werden sollen. Davon ist uns nichts bekannt. Auch existiert in unserer (Fach-) Hochschulstruktur überhaupt kein Institut für Mikrosystemtechnik. Im vergangenen Jahr wurde dagegen die im Studiengang Mikrosystemtechnik vakante Stelle für Lehraufgaben auf den Gebieten Mikroelektronik, Mikrooptik und Mikrosensorik mit dem Kollegen Prof. Gregorius - [...] – wieder besetzt. [...] [A.d.R.: Kommentar wurde gekürzt, um den Schutz der Privatsphäre im Arbeitsverhältnis zu gewährleisten.] Der Studienganssprecher für Mikrosystemtechnik an der HTW Berlin.

Embedded Systems am Fraunhofer HHI

Schauer via InnoVisions am 21. Februar 2012

Sie haben es ja noch Gold...ich arbeite im Gesundheitswesen - auf unseren Kongressen wird immer wieder deutlich, dass die meisten Kassenfürsten, Ärztevertreter und Klinikkonzernherrscher immer noch hoffen, dass dieses Internet nur eine Modeerscheinung ist und wir bald wieder alles auf Holz klöppeln wie '87. Ich will immer Steine schmeissen, wenn ich da im Publikum sitze.

E-Mobile – Zeit für den Bildschirmwechsel

MQuentin via InnoVisions am 24. Oktober 2011

Eine sicher gute Idee, aber durch die zahlreichen Sicherheitslücken (http://www.ausweis-app.com/sicherheitsluecke/gehackt-malware/) und die geringe Akzeptanz im Internet (aktuell noch), stellt sich die frage nach dem Nutzen.

Der Ausweis fürs Netz

Alex via InnoVisions am 20. September 2011