Car2What? Ein Rant gegen das Lachen über Google

Kolumne »Wild Duck«

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Kolumne | Wild Duck | Prof. Dr. Gunter Dueck

16. Oktober 2014 — 

»Autonomes Fahren ist es, wenn das Auto von allein fährt und der Fahrer nur aufpasst.« Diese Definition fand ich beim Googeln. Ich bin ein bisschen erschrocken über viele deutsche Autofirmen, die sich jetzt an autonomem Fahren und Car2X Communication versuchen.

 

Das deutsche Auto kann dann immer mehr und mehr – es wird eine lange Kette von Verbesserungsfeatures geben. Zwischendurch werden wir dann alle Google-Autos fahren. Google verbessert gar nichts, es interessiert sich nicht für autonomes Fahren. Es baut autonome Fahrzeuge, in denen Passagiere sitzen. Das ist der Unterschied zwischen dem Evolutionären und dem Disruptiven. 

 

Bei Taxis oder LKW-Logistik kostet der Fahrer mehr als das Auto, liebe Leute, und der Fahrer muss Pausen einlegen und lange am Stück schlafen. Die lausige Auslastung des LKW bringt Kosten. Das Ziel ist doch dann wohl, alle Logistikosten mehr als zu halbieren? Warum soll da ein Fahrer noch drinsitzen und bei Mindestlohn schläfrig zuschauen? 


Google baut Roboter, Google hat Selbstfahrautos. Google gründet gerade einen Paketdienst in den USA – warum wohl? Ganz bestimmt kommen bald Roboter als Postboten in Selbstfahrautos zu uns. Das ist eine Vorstufe für Google zum Üben. Google ist an Uber beteiligt – warum wohl? Nach dem Erfolg mit Paketen werden auch Menschen autonom befördert werden. 


Das autonome Fahren mit kompetenten Beifahrern (von denen es in Deutschland sehr viel gibt) und die Car2X Kommunikation erzeugen schön teurere Autos, aber Google senkt doch die Kosten und bringt Bequemlichkeit. Das eine ist Fortschritt für das eigene Business, das andere eine Vision für den Menschen. 


Die ZEIT fragt aufgeregt-sinnlos, wie ein Google-Auto in Notsituationen entscheidet: Fährt es in einer Situation, in der alles zu spät ist, das Kind links oder den Rentner rechts um? Die ZEIT weiß anscheinend nicht, dass Menschen in solchen Situationen gar nichts entscheiden, besonders, weil sie vorher meist zu schnell gefahren sind und dann auch oft betrunken… 


Die Emotionen kochen sinnlos hoch. Häme und Spott. Aber ich fühle betroffen: Deutsche Ingenieure verlieren das Große Spiel. Nicht, weil sie schlechter wären, sie haben nur zu lange über Googles Idee gelacht. Um »uns« zu schlagen, mit mehr als 100 Jahren Autoerfahrung – »dafür muss einer schon verdammt gut sein«, tönte Auto-Lobby Chef Wissmann, und »Carsharing ist eine Nische«. 


Und ich rege mich auf! Dieses verdammte Lachen hier im Lande ist wie Selbsttötung. Banken, Händler, Verlage, Zeitungen, Analog-Kamerahersteller haben gelacht, Nokia über Smartphones, Microsoft über Tablets, die Liste ist lang. Jetzt lachen alle über die Drohnen von Amazon und die »furchtbar hässlichen« Googleautos (Wo sich doch deutsche Autobauer zum Teil schon ihr Design von außen einkaufen! Das kann Google vielleicht auch? Hallo? Geht’s noch? Merken Sie‘s selber jetzt?). 


Gibt es das schon: Anti-Laugh-Training oder Anti-Tönungsspray für Manager, die sich bestens gegen den Kunden aufgestellt fühlen?

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