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Bewegend bis in den letzten Winkel
Intelligente Mediensteuerung macht aus Standardkomponenten ein vielfältig einsetzbares Showsystem
Innovationsgrad
Marktreife2009
Die Dämmerung legt sich wie ein Schleier über die Szenerie: Eng zusammengedrängt stillen die Wildtiere ihren Durst am Wasserloch der Wüstenoase. Über den Köpfen der Kinobesucher blitzen am tiefblauen Himmel die ersten Sterne auf. Plötzlich ein Rascheln ganz links hinten im Kinosaal. Auf der linken Wand, unmittelbar neben den Sitzreihen, schleicht sich ein Löwe auf Beutefang an…
Rundumprojektionen wie diese zählen seit Jahren zu den Highlights in Vergnügungsparks und Planetarien. Damit die Zuschauer mitten in das Filmgeschehen eintauchen können, ist bisher allerdings ein hoher technischer Aufwand nötig: Ausgefeilte Leinwandkonstruktionen und tonnenschwere Spezialprojektoren. Auch das gezeigte Filmmaterial muss exakt auf den einzelnen Vorführraum und die vorhandene Technikausstattung angepasst und zu einer individuellen Videoshow vorverarbeitet werden. Bald schon könnten die Zuschauer aber auch in jedem normalen Kino nicht mehr länger vor der Leinwand sitzen, sondern mitten im Geschehen des gezeigten Films. Möglich macht dies eine am Fraunhofer FIRST entwickelte Software zur Mediensteuerung. Das Besondere dabei: Für eine verzerrungsfreie und gestochen scharfe Projektion spielt die Form der Leinwand praktisch keine Rolle mehr. Für eine das gesamte menschliche Gesichtsfeld ausfüllende Projektion ist nicht mehr der Einbau einer gleichmäßig gekrümmten Kuppel notwendig, sondern genügen verhältnismäßig einfache Umbauten des Kinosaals. Seitenwände und die Decke werden dazu mit zusätzlichen Leinwänden bestückt, die an den Kanten mit einer Rundung an die Frontleinwand angebunden werden. So geht einerseits nur wenig Platz und damit nur wenige Zuschauerplätze verloren und andererseits lässt sich das Kino auch weiterhin für normale Filmvorführungen nutzen.
Für das Rundum-Kinoerlebnis werden die neugeschaffenen Leinwandflächen mit zusätzlichen Projektoren bespielt, die in Kombination mit dem Hauptprojektor ein einheitliches, nahtloses Gesamtbild erzeugen. Dazu ist es erforderlich, die Projektoren so genau zu justieren, dass die einzelnen Teilbilder pixelgenau aufeinander passen. Bei der Softwarelösung des Fraunhofer FIRST reicht es aus, die Geräte manuell grob auszurichten, so dass sich die Projektionen ein Stück weit überlappen. Über die Mediensteuerung werden Testbilder generiert und mit angeschlossenen Digitalkameras erfasst. Nun richtet das Programm die Teilbilder exakt aufeinander aus und passt mit Hilfe einer speziellen Software-Blendingtechnologie die Helligkeit der Überlappungsbereiche an das Gesamtbild an. Über die Software können sowohl Spezial- als auch Standardprojektoren betrieben werden. Und auch für das Verarbeiten und Abspielen der Medien sind lediglich Standards-PCs erforderlich. Die auf einem Hauptserver laufende Software kann mehrere Rechner zu einem Mediencluster zusammenschließen. Der Vorteil: Die Verarbeitung und die Ausgabe der Teilbilder für die einzelnen Projektoren sind ohne Qualitätsverlust in Echtzeit möglich, da die Rechenkapazität mehrerer Rechner genutzt wird. Die Fraunhofer-Software sorgt für einen absolut synchronen Ablauf der Projektionen. Ebenfalls in Echtzeit errechnen Softwarekomponenten die „Verzerrung“ der Projektionsbilder, die je nach Geometrie der Leinwand und dem Winkel zwischen Projektor und Leinwand notwendig ist, damit die Projektion im Ergebnis ein verzerrungsfreies Gesamtbild gibt.
Da die Steuerungssoftware Medieninhalte ohne aufwändigen Abstimmungsaufwand an unterschiedlichste Vorführumgebungen anpasst, bringt sie nicht nur neue Vorführmöglichkeiten für Kinobetreiber, sondern ist generell im Show- und Eventbereich, etwa bei Marketingveranstaltungen oder Messepräsentationen, universell einsetzbar. Über einen in die Software integrierten Showplayer lassen sich verschiedene Medieninhalte wie Filme, Fotos und Schrifteinblendungen am Steuerungs-PC problemlos zu einer Multimediashow zusammenstellen. Eine Vorschaufunktion zeigt das Ergebnis am Bildschirm auf einer virtuellen Nachbildung der in der Präsentationsumgebung vorhandenen Projektionsflächen. Auch bisher nur schwer nutzbare Raumverhältnisse können mit Hilfe der Mediensoftware des Fraunhofer FIRST für eine Videoprojektion genutzt werden. Wo beispielsweise Säulen eine direkte Projektion unmöglich machen, können nun Beamer auch in einem sehr schrägen Winkel zur Leinwand angebracht werden. Auch in solch einem „Extremfall“ errechnet die Software ein verzerrungsfreies Videobild. Und die automatische pixelgenaue Kalibrierung mehrerer Projektoren kann weiter dazu genutzt werden, die Helligkeit einer Projektion zu erhöhen: Indem von mehreren Projektoren identische Bildinhalte auf den gleichen Leinwandbereich geworfen werden, lässt sich die Lichtleistung nach Bedarf vervielfachen.
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