Betriebssystem fürs Haus

Im „intelligenten Haus“ der Zukunft arbeiten alle installierten Geräte Hand in Hand – individuell abgestimmt auf das Leben der Bewohner

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20. März 2009 — 

Dass Technologien für Ambient Assisted Living (AAL) in vielen Lebenssituationen sinnvoll sein können, ist offensichtlich. Dafür aber müssen Konzepte, Technik und Bedienungsfreundlichkeit ausgereift sein. Das im Januar 2007 gestartete Forschungsprojekt „PERceptive Spaces prOmoting iNdependent Aging“ (PERSONA) soll deshalb die Verwendung von Technologien umgebungsgestützter Intelligenz in grundsätzlicher Form vorantreiben. Ziel ist es, Methoden des Ambient Assisted Living und Konzepte für nachhaltige und kostengünstige Lösungen in einer „Rahmenkonstruktion“ intelligent zu vernetzen. Dafür arbeiten insgesamt 21 Partner aus sechs europäischen Ländern an intelligenten technologischen Lösungen. Für Deutschland sind dies das Fraunhofer IGD, Motorola und Futurecamp.

Entwickelt wurde zunächst eine skalierbare Plattform mit einer Open-Standard-Technologie, mit der das Haus ein einheitliches „Betriebssystem“ bekommt, dessen Kern eine von Fraunhofer-IGD bereitgestellte Middleware ist – eine Art Zwischenprogramm, das die nahtlose Kommunikation der einzelnen AALDienste und Applikationen garantiert und so dazu beiträgt, die Funktionen der einzelnen Anwendungen zielgerichtet zu vernetzen und miteinander interagieren zu lassen. Wegen der offenen Schnittstellen und der Unabhängigkeit beim Einsatz verschiedener Programmiersprachen ermöglicht die neue Plattform den unkomplizierten und reibungslosen Einsatz bereits bestehender Technologien im Bereich AAL. Weil die „intelligente“ Wohnumgebung in einem fast beliebigen Umfang um unterschiedlichste Applikationen und Geräte ergänzt werden kann, wird das System für nahezu jeden Anbieter nutzbar. In dieser (technisch) komfortableren Situation kann zudem eine breite Palette von AAL-Services entwickelt und getestet werden. Auf Basis der so gewonnenen Erkenntnisse sollen zudem die Auswirkungen auf das soziale Leben der Bewohner gemessen werden. Damit wird ein Grundstein für mögliche Businessstrategien gelegt, der die zukünftige Entwicklung der vorgelegten Technologien und Services markiert. Um einen möglichst unmittelbaren Bezug zur Praxis zu haben, werden im Sommer dieses Jahres in drei europäischen Städten die Haushalte älterer Menschen mit neuen AAL-Technologien ausgestattet, um deren Nutzerfreundlichkeit vor Ort zu erforschen.

Mittlerweile ist die Plattform, die den naht- und komplikationslosen Zugang zu den verschiedenen AAL-Diensten gewährleistet, so ausgereift, dass sie die Voraussetzungen für eine unkomplizierte Integration weiterer AAL-Technologien und das perfekte Zusammenspiel aller Geräte des intelligenten Hauses in einem Ensemble ermöglicht. Nun müssen die Entwickler noch spezielle AAL-Dienste erarbeiten. Diese sollen besonders „praxisorientiert“ sein, also soziale Interaktionen begünstigen, Alltagsaktivitäten erleichtern, Gefahren frühzeitig erkennen, persönliche Gesundheitsrisiken einschätzen und überwachen und den Anwender in seiner Mobilität unterstützen. Denn unabhängig von der rein technischen Entwicklung bleibt es das Ziel, ältere oder gehandicapte Menschen an ihrem Wohnort auch praktisch in die Lage zu versetzen, die technischen Möglichkeiten des Ambient Assisted Living Systems in ihrem intelligenten Haus zu nutzen.

In diesem Zusammenhang bietet das von Fraunhofer IGD konzipierte Interaktionsrahmenwerk mit Unterstützung der Kontextsensitivität und Personalisierung unterschiedliche Möglichkeiten der situationsgerechten Interaktion über mehrere überall im Haus verteilte Einund Ausgabekanäle. Kontextsensitivität bedeutet in diesem Zusammenhang beispielsweise, dass die Möglichkeit besteht, AAL-Dienste situationsabhängig zu steuern. Sensible Daten wie Blutzuckerwerte und Arzttermine würden dem Bewohner dann in Gegenwart von Besuch nicht wie gewöhnlich auf einem Bildschirm, sondern auf dem Handydisplay angezeigt.

Ein weiterer Vorteil von PERSONA ist, dass das Leben sicherer gestaltet werden kann. Wie jedes andere Zimmer im Haus kann beispielsweise auch die Küche mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet werden, die eine Interoperabilität der Küchengeräte über einen Home-Server ermöglichen. Vergisst der Bewohner den Wasserhahn abzudrehen, und Wasser gelangt auf den Fußboden, registrieren Sensoren auf Fußboden und am Spültisch die Gefahrensituation. Über die hauseigene Computeranlage und mithilfe einer steuerbaren Mechanik wird der Wasserfluss abgestellt und die Bewohner über einen Lautsprecher vor der Rutschgefahr auf dem Küchenboden gewarnt. Auf ähnliche Weise kann auch eine überhitze Herdplatte abgeschaltet werden, um Verletzungen oder gar eine Brandkatastrophe zu verhindern. Stürzt der Senior in den eigenen vier Wänden, ermittelt PERSONA über körpernahe Sensoren zunächst Lebenszeichen wie Blutdruck und Puls. Je nach Gesundheitszustand informiert danach der Computer über Mobilfunk oder einen auch den Notarzt.

Die Idee dieses umgebungsgestützten Lebens beschränkt sich jedoch nicht auf die Wohnräume der Senioren. Die AALTechnologie soll zukünftig möglichst viele Lebensbereiche durchdringen und zudem beliebige Aufenthaltsorte abdecken: Von der eigenen Wohnung über die Nachbarschaft bis hin zu städtischen Räumen. So soll künftig von jedem beliebigen Punkt aus die Technik im Haus über Smartphone oder PDA steuerbar sein. Wurde beispielsweise vergessen, die Haustür zu verriegeln, kann dies per Knopfdruck auch aus dem Eiscafé oder dem Urlaub nachgeholt werden. Die Plattform ist zudem in der Lage, flexibel auf die Bedürfnisse und Ansprüche des Benutzers zu reagieren. So wird es unter anderem dank der offenen Schnittstellen jederzeit möglich sein, weitere Hardware komponenten und Software-Dienste in die bestehende Plattform zu integrieren und so Änderungen im Alltag des Senioren, wie etwa eine Gehbehinderung oder eine Blutzuckererkrankung, gerecht zu werden.

Zudem verfügt die Plattform über eine Art Gedächtnis, das die Umgebung in die Lage versetzt, wiederkehrende Alltagssituationen und daraus resultierende Handlungsmuster zu erkennen und dieses Wissen im Sinne seiner Benutzer anzuwenden. So können über Ausgabegeräte wie Lautsprecher oder Fernseher beispielsweise Erinnerungen ausgesprochen werden oder, das System registriert, wenn der Bewohner heute länger als sonst üblich im Bett liegen bleibt und sich offensichtlich unwohl fühlt.

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