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Barrierefreiheit und virtuelle Realität
Manfred Dangelmaier, Leiter des Geschäftsfelds „Engineering-Systeme“ am Fraunhofer IAO
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Manfred Dangelmaier, Leiter des Geschäftsfelds „Engineering-Systeme“ am Fraunhofer IAO
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Produkte oder Gebäude sind barrierefrei, wenn jeder sie benutzen kann, selbst wenn er oder sie unter physischen oder psychischen Einschränkungen leidet. Um Barrierefreiheit zu erreichen, muss man bei der Produktentwicklung ansetzen, am besten möglichst früh im Entwicklungsprozess. So muss der Architekt in einer Wohnanlage für Rollstuhlfahrer bereits ganz am Anfang in der Gebäudekonzeption an Aufzüge und ausreichend dimensionierte Verkehrsflächen denken. Auch eine barrierefreie Webseite, die über ein Vorleseprogramm für Blinde zugänglich ist, erfordert die Festlegung auf gewisse Standards bereits während der Konzeption. Oft genügt es jedoch nicht, eine Checkliste abzuhaken, um Barrierefreiheit zu erreichen. Dies gilt für vor allem für innovative Produkte, an die bei der Formulierung der Standards noch niemand gedacht hat.
Die Virtuelle Realität ist ein Medium, das Abhilfe zu verspricht. Unter diesem Begriff sind Technologien zusammengefasst, die es erlauben, ein Produkt möglichst früh im Entwicklungsprozess erfahrbar bzw. erlebbar zu machen. Besonders zählt dazu die interaktive echtzeitfähige 3D-Computergraphik mit stereoskopischen Projektionssystemen. Wie in einem Computerspiel bzw. im 3D-Kino gehen z. B. die frisch gebackenen Bauherren durch ihr virtuelles Eigenheim und wählen sich interaktiv die passenden Fliesen für das Bad und das Parkett für das Wohnzimmer aus, die sie auch sofort im Maßstab 1:1 angezeigt bekommen.
Nimmt man dann noch die Simulation von Beeinträchtigungen dazu, dann kann auch ein Architekt im Rollstuhl virtuell die Gänge des von ihm geplanten Seniorenheims »erfahren«, um zu überprüfen, wie barrierefrei sein Entwurf wirklich ist. Oder er kann mit Sehbehinderungen »ausgestattet« werden, die ihm die Welt mit den Augen eines Patienten mit grauem Star zeigen. Das ist bei Innovationen bzw. der Planung für bestimmte Zielgruppen durchaus sinnvoll und machbar. Doch wie ist das mit Produkten für den Massenmarkt? Wollen und können Architekten, Entwickler und Konstrukteure wirklich so arbeiten, dass sie jede mögliche Behinderung der potentiellen Kundschaft bei der Produktentwicklung durchspielen? Das ist weder zumutbar noch bezahlbar. Zudem fehlt den Entwicklern meist das nötige Hintergrundwissen über Behinderungen, um mit solchen Werkzeugen zur Produkterfahrung »im fremden Körper« richtig umzugehen. Der Wunsch der Ingenieure ist eher eine automatische Prüfung anhand von Richtlinien bzw. von Simulationen auf Knopfdruck. In diese Richtung arbeiten einige der hier vorgestellten Projekte.
Ein anderes Hindernis ist die geringe Verfügbarkeit von immersiven Systemen, die eine Produkterfahrung in frühen Phasen der Entwicklung ermöglichen. Obwohl ihre Vorzüge in der Kommunikation und in der Entscheidungsunterstützung unbestritten sind, haben sie sich in der Industrie noch nicht hinreichend durchgesetzt. Eine flächendeckende Einführung als Medium für die barrierefreie Gestaltung ist daher in den nächsten Jahren also nicht in Sicht. Dennoch wird auch die Entwicklung von immersiven Systemen im Engineering durch den 3D-Trend im Display- und TV-Bereich durchaus neue Impulse erhalten.
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