Augenfällig

Tool zur intelligenten Visualisierung

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»InfoLand« unterstützt die möglichst graphische Darstellung von Informationen, damit der Mensch sie leichter verarbeiten kann.

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»InfoLand« unterstützt die möglichst graphische Darstellung von Informationen, damit der Mensch sie leichter verarbeiten kann.

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09. März 2016 — 

Dass visuelle Eindrücke bei Menschen den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen, ist längst bekannt. Die Frage ist aber, wie Informationen graphisch so aufbereitet werden sollten, dass die Vorteile unseres Seh-Sinns möglichst optimal genutzt werden. Mit der Web-Applikation InfoLand gelingt es, Informationen so bereitzustellen, dass der Nutzer das für ihn Relevante finden und auf dem Screen neu anordnen kann – ohne die Übersicht über den angebotenen Informationspool zu verlieren.

 

»Wie sag ich’s meinem Kinde?« Mit dieser Redensart umschrieben die Menschen des vergangenen Jahrhunderts das Problem, ihrem Nachwuchs auch kompliziertere Sachverhalte eingängig näherzubringen. Heute scheint das Problem eher die Frage zu sein »Wie sage ich es meinem Kunden?«. Wie erkläre ich ihm, ebenso zügig wie eindrücklich, die Vorzüge eines komplizierteren Produkts oder die Funktionsweise meiner Organisation? Wie stelle ich es – beispielsweise auf einer Messe oder einer Präsentationsveranstaltung – am geschicktesten an, Themen und Zusammenhänge anschaulich zu machen? Und wie lassen sich Pläne für Quartiere oder Konzernareale am eingängigsten visualisieren?

 

Das Forscherteam um Prof. Wolfgang Müller-Wittig am Standort des Fraunhofer-Institutes für Graphische Datenverarbeitung IGD in Singapur (Fraunhofer IDM@NTU) hat zusammen mit Fraunhofer Austria in Graz nun eine Web-Applikation entwickelt, mit der sich Texte, Bilder, Videos und 3D-Welten so darstellen lassen, dass sie die Vermittlung von Inhalten deutlich und nachhaltig unterstützt. »Wir setzen dabei vor allem auf eine einfache und Übersicht schaffende Visualisierung, bei der sich der Nutzer intuitiv wie durch eine Informationslandschaft bewegen kann«, erklärt Müller-Wittig. Der Name der Applikation sei deshalb auch Programm: »InfoLand«.

 

Visuelles Storytelling 

 

»Tatsache ist, dass Menschen bei graphischen Darstellungen über eine deutlich bessere Aufnahmefähigkeit verfügen und dass dieser Fakt immer wieder zu wenig berücksichtigt wird«, sagt der Forscher. Gerade der Ansatz von Touchscreens, mit denen der Nutzer Informationen sozusagen »in die Hand« nehmen könne, mache eine spezifizierte und graphisch eingängigere Gestaltung von Präsentationen sinnvoll. 

Bei »InfoLand« setzen Müller-Wittig und sein Team deshalb auf eine Form der optischen Strukturierung, wie sie auch bei Mindmaps eingesetzt werden: Informationseinheiten werden als Cluster interpretiert und optisch miteinander verbunden. Bei einem Klick auf eine untere Informationsebene sorgt das unter anderem dafür, dass der Nutzer nicht die Gesamtschau aus dem Blick verliert. Vor allem aber können einzelne Informationseinheiten wie Textpassagen, Bilder oder Animationen ähnlich wie virtuelle Notizzettel aus der Hauptansicht sozusagen »herausgenommen« und für die spätere Nutzung beiseitegelegt werden. Dabei lassen sie sich beliebig vergrößern und platzieren, damit sie für den Präsentator oder den Nutzer die individuell beste Übersicht bieten. 

 

Intuitive Informationstafeln

 

Nützen wird das, zum einen bei schnellen und eingängigen Präsentationen, etwa auf Messen, und zum anderen bei Information Points. Diese sollen den Überblick, etwa über ein Konzerngelände oder Stadtquartier, erleichtern und trotzdem die Möglichkeit bieten, aus der Fülle der Informationen die »richtige« herauszufinden und aufzurufen. 

 

 

Ähnlich wie bei einer Mindmap setzt »InfoLand« dabei im Grundmodell auf die Möglichkeit, Gewünschtes in den Vordergrund zu holen, durch eine Verknüpfung zu anderen »Themen-Bubbles« die Zusammenhänge aufzuzeigen und Informationen frei auf dem Screen ablegen zu können. Dabei konzentrieren sich die Forscher aber nicht allein auf die Eingängigkeit der Informationsvermittlung durch visuelle Darstellung und der Möglichkeit zur verbesserten User-Interaktion, sondern auch auf die Einfachheit der »Programmierung«. »Eine Programmierung im klassischen Sinn ist dabei gar nicht nötig. Unsere Applikation kann auch von Nicht-Experten in kurzer Zeit wirkungsvoll eingesetzt werden«, betont Müller-Wittig. Hinzu kommt, dass »InfoLand« auf allen gängigen Plattformen läuft und damit nicht extra, etwa für ein Tablet, angepasst werden muss, was bereits auf einem großen Infoscreen funktioniert. 

 

Einsatz in der Deutschen Botschaft

 

Bereits im Einsatz ist die »InfoLand«-Applikation in der Deutschen Botschaft in Singapur. Das Fraunhofer Project Centre for Interactive Digital Media (Fraunhofer IDM@ NTU) zeigt Besuchern dort erste Nutzungsmöglichkeiten auf. So können Gäste an einem Infoscreen intuitiv durch Informationen über Deutschland navigieren. Und die Nanyang Technological University in Singapur stellt mit »InfoLand« den Energieverbrauch auf dem Unigelände, um für einen sparsameren Umgang zu sensibilisieren. 

Eine Testversion kann auf den Seiten des Fraunhofer IDM@NTU heruntergeladen werden. (aku)

 

Sie finden »InfoLand« auf der CeBIT 2016 in Hannover in Halle 6 am Stand B36.

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