Berliner Firmenlauf 2012

Appleliability

Kolumne "Wild Duck"

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Kolumne | Wild Duck | Prof. Dr. Gunter Dueck

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31. August 2010 — 

Apple steht derzeit im Rampenlicht, weil sich die Geräte leicht bedienen lassen. Nichts ist technisch neu! Alles gab es schon vorher, aber der Apple versteht mich. Er macht, was er will, und es ist irgendwie, was ich hätte wollen sollen… Warum sind nicht alle „Devices“ so? Ein Beispiel von heute: Ich habe eine Telefonkonferenz mit zwanzig US-Kollegen. Ich kenne sie sämtlich nicht persönlich, es handelt sich um eine neue internationale Taskforce. Das geht so: „John, yes, you said that last week at lunch.“– “Yes, Bob.”– “Stop, which Bob is speaking? – “It’s me.” – “Oh thanks, I agree, John.” Ganz andere Stimme: “John speaking, I need more information.” – “Mike, didn’t you send the chart deck?” – “Yes, Rob.” Verstehen Sie mich? Das ist Ärger. Ich weiß nie so richtig, wer da spricht. Und weil mich das sehr unsicher macht, glaube ich natürlich, dass die anderen alle Namen kennen und mir deshalb überlegen sind. Wahrscheinlich ist es wie bei Fremdwörtern oder Abteilungsabkürzungen. Da glaube ich es genauso, aber die anderen wissen auch nichts.

Da träume ich gleich los: Alle Leute sprechen ein paar vorher festgelegte Wörter auf Band und speichern Sie neben dem Namen und dem Job im Intranet der Firma oder gleich bei Google. Wenn sich Leute in eine Telefonkonferenz einwählen, holt der Computer automatisch die gesprochenen Testtexte der Konferenzteilnehmer und ist dann fähig, die paar Stimmen auseinander zu halten (er muss dazu nicht die sprechende Person aus aller Welt heraus erkennen, sondern nur die zwanzig Stimmen im Call unterscheiden, das ist trivial). Wenn dann im Call jemand spricht, soll im Display „Michail (Mike) Vogorov“ oder „Robert (Bob) Blossom“ erscheinen. Wenn es eine Videokonferenz ist, soll der Name des Sprechenden wie bei Second Life über ihm auf einem Schild stehen. Stellen Sie sich vor, Sie schalten eine Konferenz ein und das wäre alles so! „Wow!“, würden Sie rufen, „man versteht meine Pein!“

Wir müssten die Nichtäpfel mit unseren Problemen ernsthaft konfrontieren! „Hey, wir wollen alles einfach haben!“ Ich weiß aber schon, was mir entgegenschallt: „Das Einfache ist immer zu kompliziert, weil hier zum Beispiel ein Stimmerkennungsstandard fehlt!“ Setzt einen fest! „Ich gebe meine Stimme nur den Grünen, aber niemals Google! Die verkaufen meine Stimme und verwenden sie an Bankautomaten mit Oralidentifizierung!“ Das stimmt ja nicht, weil Probleme, die alle oder sehr viele haben, immer auf Kosten der Allgemeinheit gelöst werden. Die Stimmkrise ebenso wie die Finanzkrise!

Usability und Medienkonvergenz kann man gut predigen, aber wer hat den Schneid, es echt „zu tun“? Nur immer Steve Jobs?

Diese Kolumne schreibe ich am Strand. Surfer paddeln viele Minuten raus und nur Sekunden wieder zurück. Skilift! Ja! Warum gibt es keine Surferlifte? „Dueck, verschandele nicht das Meer!“ Ja, gut. OK.


Prof. Dr. Gunter Dueck
... ist Chief Technologist der IBM und durch viele Bücher, Kolumnen und Vorträge als „Chief Philosophy Officer“ zu allen möglichen IT- und Innovations-Themen unterwegs. Auch als „Wild Duck“ – amerikanisch für einen unbequemen Querdenker – kennt die Community den „niedersächsischen Heidelberger“, Jahrgang ’51.

... lehrte fünf Jahre lang Mathematik an der Uni Bielefeld. Von dort ging es zur IBM, wo er maßgeblich am Aufbau des Date-Warehouse-Geschäfts der IBM beteiligt war und heute unter anderem die Querschnittseinheit „Dynamic Infrastructure“ leitet, die ausgehend von Praxiserfahrungen neue Infrastrukturkonzepte entwickelt. Er ist außerdem IEEE Fellow und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

... hält in InnoVisions den „Innovatoren“ vor allem den Spiegel der Marktrelevanz vor die Nase.

Mehr unter: www.omnisophie.com

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