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Älter werden als Wirtschaftsmotor
Techniken des Ambient Assisted Living boomen nicht nur, weil sie die Lebensqualität im Alter erhöhen. Sie bergen auch hervorragende Marktpotenziale.

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Nichts dürfte Deutschland in den kommenden 25 Jahren so verändern wie der demografische Wandel. Im Jahr 2035 wird in der Bundesrepublik eine der ältesten Bevölkerungen der Welt leben. Jeder dritte Mensch wird dann älter als 60 Jahre alt sein, mehr als die Hälfte 50 Jahre und älter. Die meisten von ihnen wollen ihren Ruhestand in der eigenen Wohnung genießen und dort ein möglichst selbstständiges Leben führen. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass schon heute drei von vier Senioren technische Entwicklungen begrüßen, die sie unterstützen. Dies gilt umso mehr, als etwa zehn Prozent der über 60-Jährigen unter kognitiven Problemen leiden, die oft infolge eines Herzinfarkts aufgetreten sind. Bei den über 80-Jährigen benötigt jeder zweite Unterstützung im täglichen Leben.
Parallel dazu gehören schon heute viele Menschen der Generation 50+ zu den reichsten in der Bevölkerung. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat ermittelt, dass die 30 Millionen Menschen dieser Altersgruppe über ein jährliches Nettoeinkommen von insgesamt 650 Milliarden Euro verfügen. Das ist deutlich mehr, als den 30 - bis 50-Jährigen zur Verfügung steht. Und in den kommenden Jahren könnte sich dieser Trend noch weiter verstärken.
Es wäre also falsch, die Entwicklung und Produktion von Techniken für ein »behütetes Wohnen« lediglich unter dem demokratischen und sozialen Aspekt zu betrachten. Produkte und Dienstleistungen des Ambient Assisted Living (AAL) machen die Überalterung sozusagen wirtschaftlich nutzbar. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geht sogar davon aus, dass der demografische Wandel zu einem Motor für wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung werden kann, der neue Exportchancen eröffnet. Bereits heute gehört der in den vergangenen zehn Jahren entstandene und kontinuierlich expandierende Markt für AAL zu den wichtigsten Zukunftsmärkten.
Die Unternehmensberatung Frost & Sullivan hat errechnet, dass in Europa allein der Markt für telemedizinische Produkte um jährlich über 40 Prozent wachsen wird. Das weltweite Potenzial wird auf über 15 Milliarden Euro geschätzt. Neben den betriebswirtschaftlichen Chancen für technische Innovationen können viele medizinische Produkte aber auch zu einer massiven Entlastung der Volkswirtschaft führen: Aktuell müssen in Deutschland rund 60 Milliarden Euro für die Behandlung von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgegeben werden. Laut Verband Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) würde ein verstärkter Einsatz von Telemonitoring- Systemen die Betreuungskosten massiv senken: bei Herz-Kreislauf-Patienten um rund 30 Prozent und bei Diabetes Patienten sogar um 90 Prozent.
Dabei dürften sich die sozialen und wirtschaftlichen Chancen durch die Entwicklung und Produktion von AAL-Techniken nochmals deutlich erweitern, wenn man bedenkt, dass die Konzepte für ein besseres Leben im Alter oder im Falle einer Pflegebedürftigkeit den eigentlichen Wohnbereich längst verlassen haben. Gesellschaftlich und wirtschaftlich von hohem Wert sind beispielsweise auch technische Lösungen für den Einkauf, die Ärzteversorgung und den öffentlichen Nahverkehr. Denn vieles deutet darauf hin, dass es nur mithilfe technischer Innovationen gelingen kann, eine Unterversorgung abzufedern, Barrieren zu überbrücken und einen hohen Lebensstandard zu halten.
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