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Computerbasierte Lernspiele ebnen Menschen mit begrenzten Fähigkeiten im Schreiben und Lesen den Zugang zur Schrift.

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Marktreife2008

20. Mai 2008 — 

Geschätzte vier Millionen Erwachsene sind von einer Lese- und Schreibschwäche betroffen. Dazu gehören auch so genannte „Funktionale Analphabeten“, also Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und auch einige Worte schreiben können, aber den Sinn eines etwas längeren Textes entweder gar nicht verstehen oder nicht schnell und mühelos genug verstehen, um praktischen Nutzen davon zu haben. Selbst so vermeintlich „einfache“ Alltagssituationen wie das Lesen eines Busfahrplans oder das Ausfüllen von Formularen bereitet ihnen deshalb große Schwierigkeiten. Ohne Hilfe resignieren viele Betroffene und geben ihre Lese- und Schreibversuche meist ganz auf. Um unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen, entwickeln sie dafür eigene Strategien, die in der Regel aber immer auch mit einem Rückzug aus vielen gesellschaftlichen Bereichen einher gehen.

 

Entwickler des Fraunhofer IGD wollen Menschen zu einem sicheren Umgang mit der Schriftsprache verhelfen und erforschen deshalb Möglichkeiten des Lesen- und Schreibenlernens mit Hilfe von Computerspielen. „Vom funktionalen Analphabetismus sind sehr viele junge Menschen betroffen“, weiß Diplompädagoge Steffen Malo vom Fraunhofer IGD in Rostock: „Weil wir bei ihnen aber davon ausgehen können, dass sie mit Computerspielen aufgewachsen sind und mit dem Medium an sich umgehen können, haben wir eine große Chance, sie über Lernspiele zu erreichen.“ Ziel der Forscher ist es, diese Betroffenen nach ihren negativen Erfahrungen wieder zum Lernen zu motivieren. Dabei haben computerbasierte Spiele den Vorteil, dass sich die Betroffenen nicht in der Öffentlichkeit „outen“ müssen und sich beim Spielen in einem geschützten Raum bewegen: „Die negativen Lernerfahrungen funktionaler Analphabeten verhindern, dass sie Abschlüsse nachholen oder sich für Grundbildungskurse anmelden“, betont Steffen Malo. Auch so sei es zu erklären, dass bisherige Kursangebote etwa der Volkshochschulen (VHS) nur einen Bruchteil der Betroffenen erreichen. Die Spiele hingegen können die Anwender unabhängig von Bildungseinrichtungen und bestimmten Seminarzeiten zuhause oder an den Rechnern der VHS spielen.

 

Das Hauptaugenmerk des Projekts liegt auf der Entwicklung von digitalen Lernszenarien, in denen spielerisch typische Problemsituationen des Alltags gelöst werden sollen. Dabei greifen die Entwickler auf etablierte Spieltechnologien und Konzepte wie etwa auf Levelspiele mit spannender Rahmenhandlung zurück, in die bestimmte Aufgaben eingebettet sind, die das Lesen, Schreiben und manchmal auch das Rechnen schulen. Geplant ist zudem, dass sich die Spieler auf eine Abenteuerreise begeben können, die einen durchgehenden Handlungsfaden hat: So wird der Eintritt in ein vortechnisches Zeitalter möglich, in dem der Wissensvorsprung vor seinem virtuellen Gegenüber Selbstbewusstsein und Motivation der Spieler erhöht. Die Spieler müssen nun den Weg aus einem mittelalterlichen Szenario zurück in die Gegenwart finden. Auf alle Aktivitäten erhalten sie unmittelbar eine Reaktion. Anders als bei kommerziellen, aufwendigen Lernspielen, bei denen die Spielentwicklungskosten zehn Millionen Euro und mehr betragen können, steht den Entwicklern des IGD ein vergleichsweise niedriges Budget zur Verfügung. Trotzdem haben sie sich zum Ziel gesetzt, die Anwendung mit anderen Abenteuerspielen vergleichbar zu machen. Die Entwickler des IGD haben den Vorteil, dass sie interdisziplinär arbeiten und auf eigene Forschungsergebnisse ihrer Informatiker, Kommunikationswissenschaftler und Pädagogen zurückgreifen können. Ihre Konzepte verknüpfen Spieltechnologie und Faszinationselemente mit didaktischen Ansätzen.

 

Das Projekt ist im November 2007 als Verbundprojekt zwischen dem Fraunhofer IGD Rostock, dem Deutschen Volkshochschul-Verband, dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung und dem Volkshochschul-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufen worden und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert.

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